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Altpaläolithikum !?
Geologie, "Art"


Homo erectus (heidelbergensis) vor 500 000 Jahren oder mehr, bereits auf der Fränkischen Alb ? Bildete der Donaukorridor den Zugang nach Mitteleuropa (Donau-Neckar-Rhein bis Boxgrove/England-Achse)? 500 000 Jahre sind durch den Unterkiefer von Mauer belegt. Fehlen bis Dato einfach nur ältere  Knochenfunde, wie sie in Südeuropa vorliegen (Atapuerca / Spanien bis 1,2 Mio J., Altamura / Italien)? Zeugen ältere Artefakte von einer möglichen, sehr viel früheren Begehung Mitteleuropas nördlich der Alpen?   Neue Fundumstände verweisen darauf:  Unerwartet frühe Besiedlung Nordeuropas  (incl. Filmsequenzen zu den Ausgrabungen in Happisburgh/Großbritannien)   http://www.spektrum.de/artikel/1038951&_z=798888


Einleitung / Anmerkung:

Da ich für meine Person eher und mit zunehmenden Funden in die Richtung des Artefaktbeführwortes tendiere, verwende ich überwiegend feststehende Begriffe und Bezeichnungen der Artefakttypologie. Diese persönlichen Anmerkungen sind keinesfalls unumstößlich, sondern sollen lediglich, zunächst wertfreie Eindrücke und einen Angleich an Bestehendes vermitteln. Auch aus rein geologischer Sicht ergäbe sich ein nicht uninteressanter Artefaktangleich. Die Fundortbegrenzung, serielle Entstehung und Angleichung, das Vorhandensein aller acheuléenzeitlicher Artefakttypologien (Leitartefakte) wie Biface, Pic, Trieder, Chopper, Diskoide, Polyeder in Überschneidung mit einem als mittelpaläolithisch (?) bekannten und in der Literatur erwähnten Schlagplatz (E. Rutte), lassen mich eindeutig in die artifizielle Richtung tendieren. Die Menge an "Abschlagsmüll" ermöglicht erst nach Jahren intensiver Suchgänge Artefaktenembles zu erstellen. Für den mittelpaläolithischen und / oder jung- mittelacheuléenzeitlichen, ausgeprägteren Technokomplex scheint dies gelungen (Startseite). Je älter der Charakter der vorgestellten Objekte wirkt, umso mehr geht dieser Umstand mit einer Zunahme an Patinierung und Verrundung einher. Extrem verrundete Artefakte zeigen immer auch "archaischere" Grundformen von pebble-tools. Es wird in den entsprechenden Bildern dieser Rubrik wohl eher eine formtypologische Gegenüberstellung und Vergleichsansprache aufgezeigt werden.

Aufgrund der für mich kostenlosen homepage ist eine weitere Unterteilung leider nicht möglich. Dieser Umstand mag die Übersicht etwas erschweren.

Formtypologisch neige ich eher zu einer indifferenten Ansprache und verwende daher Begriffe wie: "bohrerartig, stichelartig, spitzenartig" etc. Die Spitze impliziert zwar oft den Gebrauch derselben, stellt aber nur allzu gerne das Ende der Gebrauchskante oder gar den Griffbereich dar, daher die öftere Verwendung von "spitzenartig" als formgebende Ansprache.  Viele Werkzeuge sind Ad-hoc-Geräte (Chopper, Abschläge), die keine festgelegten Formen, aber traditionelle und standardsierte Herstellungstechniken hatten. Mit der gewöhnlich genutzten Typenansprache von Steinwerkzeugen des Mittel- und Jungacheuléen (Bordes 1961) lassen sich die fromalen und technologischen Aspekte altpaläolithischer Geräte nur unzureichend beschreiben. Wenn man die Entwicklung, Ausbreitung und technischen Strukturen des Altpaläolithikums darstellen will, müssen nicht nur eine verbindliche geochronologisches System, sondern auch eine einheitliche Nomenklatur benutz werden. Dafür sind Ansätze gemacht worden (Biberson 1967; Collina-Girad 1975; Tavoso 1978/1986), auf die auch hier Bezug genommen wurde. Sie ermöglichen es, Inventare annähernd zu beschreiben und zu vergleichen. Die reine Typologiemethode und ebenso die von ihr abgeleitete Merkmalsanalyse erlauben es nicht, altpaläolithische Inventare auf den Stand ihrer technologischen Evolutuion und damit auf eine annähernde chronologische Einordnung hin zu befragen. Dazu bedarf es weniger einer linearen als einer komplexen Betrachtungsweise, die auf den Stand der allgemeinen technischen Konzeption zielt.


Natur oder Kultur?  Natur und Kultur!



Eine kleine Auswahl des stark verrundeten und dunkel patinierten Fundensembles der Hauptfundfläche (etwa 200 x 200 m). Dieser Artefaktkomplex trennt sich formtypologisch deutlich von heller patinierten, jüngeren, paläolithischen Stufen welche in hoher Stückzahl mit den stark verrollten Artefakten vergesselschaftet sind. Die Menge der augenscheinlich ältesten Geröllgeräte beläuft sich mittlerweile auf mehrere hundert Artefakte, welche sich in typologische Serien unterteilen lassen. Die Typologiegliederung nach Biberson (1966) und die Abwandlung für den Fundort Münzenberg in Oberhessen kann angewendet werden. Es erscheinen jedoch auch "orts- oder zeitspezifische" Eigenformen die neue oder eigene Serien bilden und den Weg mit zunehmender Abschlagtechnik ins Mittelpaläokithikum aufzeigt. Eine nicht unerhebliche Schnittmenge von vielleicht spät acheuléenzeitlichen bis früh-mittelpaläolithischen Artefakten bleibt schier untrennbar.  Es gilt generell die berechtigte Vermutung den Fundkomplex der Geröllgeräte nicht als einheitliches, zeitgleiches Inventar zu betrachten. Die Zeiträume umspannen gewaltige Dimensionen und zwischen angenommen 400 000 und 600 000 Jahren ergiebt sich allein schon ein Zeitraum von 200 000 Jahren (Für den Neandertaler waren also jene "Proto"-Artefakte bereits älter als die Werkzeuge des Neandertalers für uns!) der "zarten", mittlerweile kaum wahrnehmbaren technologischen Weiterentwicklung die uns nur allzu gern als Stillstand in der Entwicklung erscheinen und in groben Zusammenfassungen und Publikationen auch nur so vermittelt werden (können).

Grob sortiertes Material und bereits typologisch zugeordnete Lesefunde in ihrer Aufarbeitung.

In Vergleichen mit einigen vom Fundspektrum her einsehbaren Komplexen, scheint sich der Fundort Münzenberg in Oberhessen herauszukristallisieren und einen vernünftigen Angleich zu bieten (Abb: Chopping-tool Typ II,5B Bifacialer Cleaver nach der für Münzenberg angewendeten Typentabelle, nach Biberson Typ: II,4;II,12).


Frühpaläolithische Geröllartefakte vom Typ "Pebble tool" in Oberhessen (Herbert Krüger) / Münzenberger Komplex (pdf-Datei).

http://quaternary-science.publiss.net/system/articles/pdfas/136/original_vol10_no1_a15.pdf?1284107391

Zwei cromerzeitliche Artefakt-Fundplätze in der Jüngeren Hauptterasse am Niederrhein(Klaus Schmude)-Kirchhellen / Weeze (pdf-Datei).

http://quaternary-science.publiss.net/system/articles/pdfas/623/original_vol42_no1_a01.pdf?1284108012

The oldest archaeological finds from the netherlands (pdf-Datei).

http://www.apanarcheo.nl/bipolair/OldestArchaeologicalFinds.pdf




Abfolge paläolithischer Kulturen in Afrika und Europa (vereinfachte Darstellung). Rot die Fundschwerpunkte bei Chopper / Abschläge = Protoacheuléen / Geröllgerätekultur und innerhalb eines Acheuléens mit Schwerpunkt im jüngeren Acheuléen. Wie weit nach hinten der Beginn der Geröllgerätekultur in Deutschland angesetzt werden kann, soll hier nicht weiter erleutert werden. Die Verfechter der sog Kurzen Chronologie (nächstes Bild) setzen nördlich der Pyrenäen, Alpen, Karpaten und Kaukasus Gebirgsgrenze ein Maximum von 600.000 Jahren. Südlich der Gebirge wird die 600.000 Jahr- Grenze deutlich überschritten (Atapuerca mit max. 1,2 Mio. Jahre in Südeuropa/Spanien 1,8 Mio. Jahre gelten für Dmanisi in Georgien). Die entsprechenden Klimaabschnitte (Startseite mit Klimatabelle) lassen sich für das Protoacheuléen und die Geröllgeräte Industrie in Deutschland nur schwer paralellisieren und umfassen in den jeweiligen Komplexen wärmere und kältere Abschnitte deren Abfolge in ihrer Geschwindigkeit und zeitlichen Dauer nicht genau greifbar werden. Das dieser Vorgang des schnellen klimatischen Umschwungs über wenige Jahrhunderte eventuell sogar Jahrzehnte vollzogen werden kann (auch zukünftlich), zeigen neueste Eiskernbohrungen in der Antarktis.

Der Weg zum Neandertaler: Aspekte zur ältesten Besiedlung Afrikas und Eurasiens (M. Baales). http://federfresser.files.wordpress.com/2009/09/baales-roots-2006-proof-low.pdf

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Aufgrund ihrer Patinierung, Verrundung und Erscheinung aus den mittelpaläolithischen Schlagplatzfunden isoliertes, "älteres" Quarzit-Material eines möglichen Acheuléen / Protoacheuléen


Themen und Bilderverzeichnis  (entsprechendes Thema ab beispielsweise Abbildung 24, Nr.-Angabe rechts neben der Artefaktabbildung).

Protobiface, Spitzchopper, Seitenchopper , Gespaltene Gerölle und deren Gliederung (Ramendo) ab Abbildung 1. Thema Wüstenlack Abb.11, Münzenberg/Biberson: Typenaufteilung der Geröllgeräte nach Abb. 15 i,  Der Weg zum Nasenschaber beginnt schon hier Abb. 15, Nase, Dorn und Spitze und die erschwerte Zuweisung / Der Weg zum Nasenschaber geht weiter...Abb. 16a,   

(Abb.20-25 ungenutzt), Der Dorn als Handhalte? Abb.26, Die echten Nasenschaber Abb.29, Pic´s, Spitzen, Pfrieme und die oft erschwerte Zuweisung Abb.33, Eine spitze Nase! --eben nur "picartig"--Abb.37, Spähroide Polyeder Abb. 45, Zur Krustinationsauflage Abb.48, 

Spitze ist nicht gleich Spitze Abb. 51, Spitze, Pfrieme Abb. 73, Plattige Spitzen, Rhomboide Abb. 77, Facettierte Spitze Abb. 81, Levallois-Spitzen; Technik-Wandel im Moustérien Abb. 82, Beispiel für optimierte Handhaltung an einer Handspitze Abb. 83, Doppelspitze, Pfriemspitze Abb. 84, Bill-hook und Nasenschaberübergänge Abb. 85, Zur Artefaktzusammensetzung im allgemeinen / Zur Geröllgerätekultur ("peeble-culture") im allgemeinen Abb.86,

Hobelartige Geräte Abb. 88, Bifaciale Schaber Abb. 90, Kleinstgeräte Abb. 91, Biface, Protobiface Abb. 92,- Protobiface in Detailanalyse Abb.92w, Faustkeilartiger Pic Abb. 94, Rohform für einen Protobiface Abb. 95, Pic´s an Geröllstücken Abb. 96, Chopper / Chopping-tool Abb. 99, Cleaver Abb.105, Diskoide, Einfache Abschlagtechniken Abb. 108, Klingenkern Abb.109, Stadtmuseum Ingolstadt und mögliche Angleichung Abb.110. Was gibt es noch zu tun? Aufgaben für die Zukunft  Abb.111


Am Donaudurchbruch (Weltenburger Enge) beim Kloster Weltenburg. Oberhalb der Klippen befand sich ein keltisches Oppidum beiderseits der Donau. Die Hochflächen boten seit jeher auch Begehungsraum für den paläolithischen Menschen.

Albhochfläche bei Essing mit altem Schlackehügel (Vordergrund).

Geröllgeräte: Protobiface, Spitzchopper, Seitenchopper:

1a: Protobiface 8,5 cm (Quarzit).

1b: Protobiface aus braun patiniertem Quarzit mit entsprechender Kantenverrundung und steil geführtem (clactonartigem), seitlichem Zuschlag.

Mit nur bescheidenen Mitteln unternehme ich zunehmend eine Gebrauchsspurenanalyse die teilweise erstaunliche Einsichten gewährt. An einigen auf der Seite vorgestellten Artefakten scheint sich regelrecht die korrekte Handhalte und der eventuelle Verwendungszweck herauszuschälen.

1c: Quarzchopper aus Urdonaukiesel. (8,4 cm). Neufund Januar 2011.

1d: Detai des schrägen Abschlags am Chopper. Interessanterweise soll auf den wenigstens dritten Schlag zur Kantenkappung (im Bild rechts) verwiesen werden (Ein Schlag der gleichzeitig die Geröllkappe etwas schrägliegend entfernte / Abb. 1c). Die eigentliche Schneide wirkt bogenförmig nach vorne abgesetzt. Details die im nachfolgenden wiederkehrende Elemente bleiben werden.

1e: Detailaufnahme der konkaven Schneidekante am Quarzchopper mit deutlich gezackten Retuschespuren. Die beiden Kanten (verstärkt die rechte Kante) sind gekappt um die konvexe Schneide quasi herauszustellen bzw. abzusetzten. Letzter Umstand erscheint immer wiederkehrend und wird zu einem festen Erkennungsmerkmal der intentionalen Arbeit.

1f: Detailaufnahme der Quarzchopper-Schneide: Schlagpunkte der Retusche am Arbeitskantenrand (Aufnahme mit Farbverschiebung). Punktförmig teilweise mit Krustination verfüllt ist dieser erhellende Umstand an vielen Artefakten der Fundstelle zu entdecken.

1g: Detailaufnahme der Quarzchopper-Schneide.

1h: Detailaufnahme der Quarzchopper-Schneide: Die Schläge wirken leicht schräg versetzt in Reihe angelegt.


Homo erectus (h. heidelbergensis) bei der Werkzeugproduktion innerhalb eines Geröllfeldes. Neben der eigentlichen Zurichtung von Werkzeugen wird ein großer Anteil an Gesteinen angetestet und auf Qualität und Verwendbarkeit überprüft. Vieles, eigentlich der Großteil, bleibt ohne weitere Zurichtung vor Ort zurück und sorgt nicht ganz unberechtigt, jedoch ohne direkte Formenansprache, für manche Verwirrung. Vermischt mit Produktionsabfällen und Artefaktresten anderer Kulturepochen (Mittel- Jungpaläolithikum bis Neolithikum) verbleibt ohne stratigraphischer Schichtenbildung umgelagert, ein schwer trennbares Konglomerat. Möglicherweise geben schon natürliche Gesteinsformen eine Auswahl, welche Arbeitsschritte verkürzen helfen, vor. Dieser Umstand erschwert gegebenenfalls die Zuordnung zu Natur oder Kultur. Naturerscheinungen (geologische) sorgen für Zweifel über das gesammte Spektrum und umgekehrt, können tatsächliche Artefakte zu einer "Überansprache" des vorliegenden Materials führen. Auswahlverfahren mit Merkmals- u. Produktionsanalysen, Serienerstellungen und Typologievergleiche müßen herangezogen werden und bleiben dennoch nicht fehlerfrei. Zweideutiges muß vorläufig einer unumstößlichen Einschätzung entzogen werden. Die Voraussetzungen für den hier vorgestellten Fundplatz sind günstig, steht er doch in einer zumindest mittelpaläolithischen , spät altpaläolithischen Begehungstradition. Die Artefakte lassen sich in ihren Produktionsschritten teilweise nachvollziehen und sind durch in bestimmten Stadien verworfene Objekte belegbar. Das serielle Formenspektrum entspricht gänzlich den Leitformen von Geröllgeräten und einem entsprechenden Protoacheuléen (zumindest die ältesten Formen). Die Patinierungsumstände dürften, da lokal weitgehend einheitlich, zu keinen größeren Ausnahmeerscheinungen führen, heißt: Je dunkler patiniert, desto älter erscheint die typologische Ansprache. Handspitzen, Bifacialschaber und Faustkeile lassen sich durchgehend bis ins Mittelpaläolithikum, hier eindeutig verfolgen. Auf engstem Raum massieren sich hunderte von teils gleichartigen Funden auf 200 x 200 m und werden mit zunehmender Entfernung seltener. Eine Schnittfläche zwischen den mittel- und altpaläolithischen Schlagzentren zeichnet sich ab und verweist gleichzeitig auf sog. hotspots jeweiliger Epochen. Auf einer zweiten Plateaufläche bieten sich inselartige Geröllfelder ohne Artefaktvermutungen. Nur einige wenige Stellen zeigen eng begrenzt, charakteristische Merkmale der acheuléenzeitlichen Fazies, immer vermischt mit hier vereinzelten Moustier-Artefakten des Neandertalers.

Die nachfolgenden Ansprachen als Biface ist nicht immer klar zu deffinieren, lässt sich doch zwischen verwitterten Abschlagseiten und Naturrinden nicht immer klar trennen (Krustinationsauflagen, starke Verwitterung etc.). Die Bezeichnung Abschlag kann oft auch durch gespaltenes Geröll ersetzt werden und müßte dies auch, um eine Ansprache des entsprechenden Artefaktes als Abschlaggerät im bekannten Sinn zu vermeiden. Eine Unterscheidung zwischen beiden artverwandten Vorgängen ist nicht immer eindeutig anwendbar.


Neufund: Januar 2014

Protobiface im Übergangsbereich Chopper-Biface mit trichterförmigen Schlagnarbenfeld auf beiden Seiten.


Handhalte an gestumpften Rücken

Oberflächenbearbeitung in Picktechnik

Angleichbare Form von Münzenberg (Chopper)

Fingerablage am Handhaltebereich


2a: Protobiface (Münzenberger Typentabelle: Typ II,3 Bifaziale einfache Spitze / Biberson II,9).  an einem Rindenabschlag, Quarzit (13 x 12,5 cm). Das Artefaktstückt vereinigt mehrere Verwendungs bzw. Handhabemöglichkeiten in einem Gerät. Abschläge auf der Rindenseite sind schwer zu erkennen (oben rechts und eventuell darunter, linker länglicher möglicher Abschlag) Das Gerät nimmt einige Themen bereits am Anfang dieser Seite auf und kann in seiner Verwendung als Mehrfachgerät angesprochen werden. Die teilweise angewendete Typentabelle für den Fundort Münzenberg finden Sie nach der Abbildung 15h.

2b: Detail der Spitzenpräparation, konkaver Abschlag mit konkaver Schneide. An kleineren Abschlägen entpuppt sich der einseitig, konkave Spitzenzuschlag als Handhalte bzw. Absatzbogen, welcher die Arbeitskante von der Handfläche weg nach vorne stellt.

2c: Die wenig konturierten Abschläge auf der Biface-"Ventralseite": Typische Silexmerkmale (Abschlagmerkmale) zeichnen sich an Quarzit nur gering oder gar nicht ab. Bulben können gänzlich fehlen oder zeigen sich als langgezogene "Hügel". Schlagpunkte wenn noch erhaltbar lassen sich gelegentlich andeuten. Abrisslinien als quasi auf Quarzit übertragene Wallnerlinien zeigen sich im Bild (untere linke Bildecke mit möglichem Schlagpunkt) und geben Hinweise zur Schlagrichtung. Wie an fast allen Protobifacen, Spitzchoppern, Triedern und Handspitzen zeigt sich eine Spitzenseite konkav gewölbt. Für eine rein natürliche Prägung scheint dieser Umstand auf beschränkter Fundfläche, als ein zu hoher Zufallsfaktor.

2d: Die stark angewitterte wellige Schneidekante des Bifaces (Ventralseite unten).

2e: Dreht man den geraden Spitzenzuschlag in die Handfläche, stellt der konkave Zuschlag die Arbeitskante quasi nach außen. Die Hand umgreift den dicken, gebogenen, natürlichen Rücken mit Stumpfungsschlägen im oberen rechten Bereich des Bogens. Die Spitze wird zur Handhalte und zeigt sich deckungsgleich mit den Spitzgriff-Geradkantenschabern welche im Themenbereich "Spitze ist nicht gleich Spitze" ab Abbildung 51 auf dieser Seite vorgestellt werden. Dort begegnen uns auch die abgekanteten, abgeschrägten Schneidenenden wieder. In dieser Ansicht entspricht es in der Münzenberger Typentabelle dem Typ II,5B Bifazialer Cleaver. Die Schwierigkeit der Typenansprache wird mit diesem "Multigerät" ersichtlich. Die eigentliche Spitze zeigt sich von beiden Seiten her leicht abgesetzt und dürfte nicht funktionslos gewesen sein (siehe 2f). Seiten und Spitzennutzung und die Vereinigung beider Elemente zusammen mit dem gestumpften, gegenüber der Schneide befindlichen Rücken verweisen auf die generellen Faustkeilmerkmale.

2f: Verschiedene Handhabemöglichkeiten von links nach rechts: Handhalte als Biface mit Schneiden und Spitzennutzung. Handhabe als Spitzgriff-Geradkantenschaber (mitte) und als Cleaver (Hackmesser) wobei die hintere Schräge der Ventralseite (in der Bildmitte erkennbar) auf dem Handballen (hachereauxtypisch) aufliegt. Eine weitere Handhabe würde die reine Spitzennutzung mit gegenüberliegender Handhalte am Heck darstellen.

2g: Ein weiterer gewaltiger Protobiface (Hintergrund) zeigt eine gänzlich identische Spitzenzurichtung im Vergleich zum vorherigen Artefakt (Vordergrund). Serien lassen sich erstellen! 


3a: Detail der Spitzenzurichtung mit starker Verrundungserscheinung.


3b: Der Protobiface aus Quarzit, (14,5 x 15 cm). Es erscheinen drei  verwitterte Abschläge im Spitzenbereich. Die Abgrenzung zwischen Spitzchopper und Protobiface scheint zu verschwimmen, was auch den entwicklungstechnischen Zusammenhang aufzeigen dürfte. Unter der Überschrift "Überlegung zur Krustination" ab Abb. 48 wird ein möglicher Ansatz zum Erscheinungsbild verschiedener Artefakte mit poröser Oberflächenerscheinung behandelt. Das Objekt verfügt über keine Arbeitskante am Seitenbereich. die etwas wellig erscheinende Kante (oben zur Spitze hin) zeigt sich in der Aufsicht gestumpft.

3c: Etwas stärker überarbeitet zeigt sich ein Chopping-tool von Münzenberg (Typ II,5A).


4: Das hier vorgestellte rhomboidartige Beispiel an einem plattigen Abschlag  oder Naturstück (siehe auch ab Abb. 77) zeigt zwei versetzt, gegensätzliche Spitzenzuschläge. Unten rechts zu erkennen wurden die beiden Abschläge wechselseitig vollzogen, wodurch eine Abschlagsseite nach oben und eine nach unten gekippt wurde. Handhalte bildet die dicke Spitzenseite mit dem bogenförmigen Rücken. Einen Angleich erhält das Objekt mit einem Faustkeilblatt welches Mitte November 2010 gefunden wurde und auf der Startseite zu sehen ist (wechselseitiger Spitzenzuschlag). Nach der Münzenberger Typentabelle: Typ II,1 Bifazialer Schaber mit diagonaler Schneide (rechte untere Bildhälfte, quasi die längliche Spitzenkante in Aufsicht, leicht gezackt).


5: In der maximal auffindbaren Verrundungserscheinung präsentiert sich ein spitzchopper- oder protobifaceartiges Gerät. Erst nach der Entdeckung eindeutigerer Objekte fokusiert sich der Blick auf unschärfere Merkmale, die jedoch in genau gleicher Ausführung an strukturierterem Material zu entdecken sind. An einer Spitzenseite zeigen sich noch zwei steile Abschläge der Spitzenpräparation, eigentlich von einem rundlichen Geröllstück ausgehend, wurde hier lediglich ein Spitzwinkel angelegt. Auf grundsätzlich artefaktfreien Geröllschotterflächen bleiben auch solche nicht ganz zweifelsfreien Objekte aus. Im Vergleich mit Artefakten aus Spanien / Atapuerca, ja sogar Olduvai bildet diese Typologie keine unbekannte Form (Pebble-tools). Eventuell ist das Objekt auch als Halbkeil, also nicht fertig gestelltes Werkzeug zu betrachten.


6: Spitzchopper mit einseitigem Abschlag (konkav) zur Spitzenpräparation und konkaver Schneide (im Vergleich zu Abb. 7), stark angewittert (Quarzit). Die auf einer Seite konkave Schneide läßt sich als wesentliches Erkennungsmerkmal auf einer Vielzahl von Artefakten verfolgen und spricht für menschliche, artifizielle Entstehung. Hier müßten Versuche unternommen werden, diesen Schlagansatz (Ich denke seitlich?) nachzuschlagen. Gelegentlich ist ein Schlagtrichter an der Seite des konkaven Abschlages (im Bild die kleine Mulde im linken Kantenverlauf) zu erkennen. Münzenberger Typentabelle: Typ I,2 Hohlschaber mit konkaver Schneide (linker Kantenverlauf hinten und vorne).

7a: Spitzchopper mit einseitigem Abschlag und konkaver Schneide, Quarzit (8,2 cm). Münzenberger Typentabelle: Typ 1,2 Hohlschaber mit konkaver Schneide. Die rechte Arbeitskante zeigt eine noch leicht trichterförmige Struktur in Reihe.

7b: Detail der stark verwitterten Retusche an der Arbeitskante des Hohlschabers. Die Spitze beinhaltet vielleicht den Schlagpunkt für die eigentliche konkave Trennfläche.

7c


Aus einer noch unveröffentlichten, französischen Arbeit / Collina-Girard (Dissertationsarbeit). Rechts: 1 Grenzfläche des Abschlages, 2 Schlagpunkt von der Seite.

8a: Spitzchopper an einem halbiertem Geröllstück mit beidseitiger Spitzenpräparation, Quarzit (7,0 cm). Münzenberg: Typ ii,5A Bifaziale Chopping-tools mit Spitze (Bifazialer Protofaustkeil) (Biberson: II,9)

8b: Erhaltenes Schlagauge der Geröllzerteilung, strahlenförmige Abrisslinien.


8c: Halbiertes Geröll mit dornartigem Ansatz (Quarzit mit stark sandiger Krustinationsauflage, 6,5 cm).

8d: Am dornartigen Ansatz zeigt sich der erhaltene Schlagpunkt für die Trennfläche. Von der so entstandenen Schlagfläche wurde ein zweiter Abschlag  (hell angezeichnet) vertikal (links) geführt. Die so entstandene Kante (rot) könnte als Arbeitskante genutzt worden sein. Der dornartige Ansatz würde hierbei die Griffhalte bilden. Das Objekt zeigt eine fast vollständige Krustinationsauflage welche mögliche Arbeitskante, und Abschlagsflächen verbirgt. Die mögliche Arbeitskante zeigt eine leicht wellige Struktur.

8e: Detail des Schlagpunktes.


9: Chopperartige Geräte mit jeweils einem seitlichen Abschlag (konkav) zur Spitze hin. Übergang zum Protobiface. Die nachfolgenden Aufnahmen zeigen den Spitzenbereich von zwei der hier vorgestellten Objekte(Quarzit) im Detail. Der rechts abgebildete Chopper zeigt sich mit dem zuvor Dargestellten im Aufbau identisch. Mit dem konkaven Abschlag ist die Grundlage zum Protobiface gesetzt. An einem interssanten Beispiel (Abb. 92e/f) zeigt sich dieser Entwicklungsschritt bis zum komplett überarbeiteten echten Zweiseiter.

10a: Der mittlere Spitzchopper (zweiter von rechts, Abb: 9), detailansicht der Spitzenpräparation (konkav, linke Seite), Spitzenbereich gänzlich von Rinde befreit (Quarzit, 411 g). Nach der Typenaufteilung von Münzenberg (nach der Abb.15 auf dieser Seite)  Typ III,3  Polyedrische Geröllspitze bzw. III,4 Trianguläre Geröllspitze. Textauszug aus: "Die altpaläolithische Geröllgeräte-Industrie der Münzenberger Gruppe in Oberhessen", Herbert Krüger, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden (1994): "Gleichfalls der Serie III ordnen wir einen Gerätetyp zu, der zwar vielflächig angelegt war wie der vorangegangene Typ III,2, bei dem jedoch die mehrflächige Spitzenausbildung vorwiegend in Hochaxialer Anlage zu Ausbildung gekommen ist...  (weiterer Textverlauf zu einem Beispiel:) ... Das recht mächtige Geröll ist durch dreiflächig angelegte grobe Hiebe seines Kopfes beraubt und zu einer wirkungsvollen Spitze umgestaltet worden. Die Geröllunterseite jedoch, eine gewichtige Handhabe, blieb, gewichtsmäßig ausgewogen, absichtlich unbearbeitet. In dem Bestreben nach Typenbeschränkung haben wir darauf verzichtet, diejenigen Varianten , die ihre Geröllbasis behalten haben, von denen zu trennen, bei denen auch die Geröllbasis gekappt und dadurch eine mögliche "Standfläche" (am abgebildeten Objekt mit Schlagnarben!) geschaffen wurde. Zu diesem Typ III,3 zählen wir alle Geräte , die Collina-Girard unter dem Typ P,1 den "Polyèdres irregulieres", eingeordnet hat. So läßt sich hier als treiderartige Spitze auch ein Typologisch nicht exakt bestimmbares Artefakt vom "Ziegelei-Hohlweg" einordnen". Die frontale Fläche zeigt ihre Abschlagfläche noch in einem kleinen Dreieck nach oben, zur Spitze hin, verjüngend ab. Ein weiterer, tiefer gehender Schlag oder eine natürliche Schlagbeschädigung hat die Fläche vertieft und grob strukturiert hinterlassen. Links zeigt sich der typische konkave Abschlag.


10b: Die kugelige, gegenüber der Spitze befindliche Seite ist mit Schlagnarbenfeldern versehen und belegt eine zusätzliche Verwendung als Schlagstein. Dieser Umstand unterstützt den Artefaktcharakter und belegt die Existenz, wohl altpaläolithischer Schlagsteine. Deutlich zeigen sich dunkelbräunlich, die Rindenreste der einstigen Knolle.

10c: Zwei kleinere Schlagnarbenfelder und der überkantete Schlagfeldbereich  führen zu facettierten Flächen. Dunkelbräunlich zeigt sich der Rinden- (Cortex) Rest um die Schlagnarben.

10d: Der überkantete Schlagflächenbereich liegt im Cortexrestbereich. Die Rundung zeigt noch die einstige Oberfläche der kugeligen Knolle (linke Bildseite). Facettiert und kantig zeigen sich die "aufgeschlagenen" Bereiche.

Oldowan-Hauwerkzeug, Olduvai Schlucht (Tansania). Der Name "Oldowan" erinnert an die Olduvai-Schlucht, wo Mary Leakey diese Kultur definierte und beschrieb; sie teilte die Werkzeuge wie diesen Chopper aus Olduvai-Bed I nach ihrer Form und mutmaßlichen Funktion ein (links etwa 9 cm). Die Gegenüberstellung mit Aufgefundenem bezeugt sicherlich nicht die Zeitgleichheit. Versteht man das Protoacheuléen als eine Trägerkultur in ihrer typologischen Ausführung mit einem darauf aufbauendem Altacheuléen, ergeben sich zahlreiche Artefaktvariationen die in ihrer Weiterentwicklung bis in das Mittelpaläolithikum hineinreichen.

11a: Spitzchopper: mit konkavem Spitzenzuschlag und welligem Kantenverlauf zur Spitze hin. Anhaftende Krustinationsreste (Mangan?) überziehen das Objekt. Auszug aus Altpaläolithische Fundplätze des Homo erectus heidelbergensis / Schmitshausen (Pfalz) / Emil Hoffmann: 

Wüstenlack bezeichnet einen festen, dünnen, dunkelbraun, grauer bis schwarzer Überzug der auf älteren Steinen entstehen kann. Er bildet sich aus Oxiden und Hydroxiden des Eisens und Mangans des Steines. Über die Mitwirkung von Bakterien, Flechten, Algen und Pilzen gibt es unterschiedliche Meinungen. Neue Forschungsergebnisse kommen zu einer anderen Entsehungsweise. Sie beweisen, dass vom Wind verwehter feiner Lehmstaub sich in den Poren auf der Oberfläche des Steines festsetzt. Durch nächtliche Feuchtigkeit gelingt es im Laufe vieler Jahre winzige Mengen an Mangan und Eisen aus den Partikeln zu lösen. Bei warmem Klima verdampft das Wasser am Tage und die Metallmoleküle backen auf der Oberfläche des Steines fest. Dieser Vorgang verläuft aber so langsam, dass sich pro Jahrtausend lediglich eine Lackschicht von 30 Mikrometer bildet (Geology. Bd. 36, S. 215). Es muss daher auch in Mitteleuropa während der Warmzeiten heiße Phasen gegeben haben, die auf Steinen, die ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren, diese Lackbildung enstehen ließen. Selbst wenn die Entstehung dieser Erscheinung andere Ursachen haben sollte, so wird der Begriff Wüstenlack mangels eines besseren Ausdrucks trotzdem verwendet, um die optische Veränderung auf der Oberfläche des Artefaktes zu verdeutlichen.

11b: Der Spitzchopper an einem stark verrundeten Geröllstück (10,2 cm).

11c: Es wurden fünf weitere Objekte (alle von einem Fundpunkt), welche die gleiche schwärzliche Patina aufweisen geborgen. Alle sind extrem kantenverrundet und ein artifizieller Charakter bleibt nur zu erahnen (?). Welche Bodenbildung (Flora) kann diese Patinierung begünstigt haben? Trifft die Wüstenlackbeschreibung zu, kann diese Patina erst nach Verrundung des Objektes entstanden sein ! Der wellige Zuschlag zeigt auf der konkaven Seite lediglich eine Bucht (rechts). Als Arbeitskante könnten aber auch die nur noch leicht welligen Verläufe (links) anzusprechen sein.

11d: Die Bucht am konkaven Abschlagsrand entspricht der untersten Welle auf Abbildung 11a.

11e: Ein Angleich ergiebt sich mit einem weiteren Spitzchopper in geringerer Verrundungserscheinung an einem Geröllstück.

11f: Spitzchopper, Quarzit (9,5 cm). Am rindenartig, qualitativ schlechterem Artefaktkörper zeigt sich eine kaum wahrnehmbare, flächige Überarbeitung zur Handhalteoptimierung.

11g: Gegenseite zur Abb. 11d.

11h: Die Spitze am Chopper zeigt sich am qualitativ höherwertigen Restbereich des zweikomponentigen Gerölls.

Youtube Link: Filmische Bildeindrücke von Spitzchopper, Trieder usw.      http://www.youtube.com/watch?v=gn5rBjxKijE


12a: Spitzchopper / Trianguläre Geröllspitze (nach Biberson: Typ III,5) an einem flachen, sich verdickendem Geröll mit beidseitigem Spitzenzuschlag. Die kleine Mulde (siehe letztes Bild der Serie) im rechten Kantenverlauf deutet einen möglichen Schlagpunkt von der Seite an (siehe Abb. 7b).

12b: Eine der seitlich abgekappten Seitenflächen des Spitzchoppers mit entsprechend starker Kantenverrundung. Die eigentliche Spitze zeigt sich leicht pyramidal abgesetzt (gezeigte Seite relativ gerade, rechts leicht konkav). Die linke Kante zeigt in einer leichten Mulde (unterbrochener Kantenverlauf), den stark "verwischten" Schlagpunkt (siehe Abb. 7b).

12c: Die breitere Abschlagseite des Spitzchoppers. Der rote Kreis markiert die muldenförmige Vertiefung als Schlagpunkt und mögliche Schlagrichtung. Weiß umrandet erscheint der abgesetzt wirkende Spitzenbereich. Die weißen Pfeile auf der Seitenfläche deuten auf die stepfractures.

12d:   Nr .10 (hinten) und Nr. 12.  Textauszug aus "Die altpaläolithische Geröllgeräte-Industrie von Münzenberg" zum Typ III,4 (Biberson: III,5)Trianguläre Geröllspitze: Eindeutig als einen besonderen Typ läßt sich eine Form herausstellen, bei der die Bezeichnung polyfazial eigentlich nur in beschränktem Umfang Geltung besitzt. Durch Abhiebe entstanden sind nur zwei Flächen, während die dritte u. vierte Fläche von der restlichen Gerölloberfläche gebildet wird.


13a: Seiten- oder Spitzchopper in verschiedenen Perspektiven (Quarzit).

13b: Der Chopper zeigt sich beidseitig und im Bogenbereich mit natürlichen Flächen. Charakteristisch ist das oft gekappte Heck (unten rechts) im Gegensatz zum publizierten Münzenberger Inventar. Retuschereste könnten sich ansatzweise noch an der Kante (linkes Bild Kante zur Bildmitte hin) abzeichnen. Wenigstens zwei versetzte größere Abschläge trennen die Spitze und Seitenfläche ab ein weiterer das Heck.

13c: Detailansicht des Kantenverlaufes: Stark verwischt zeigt sich zickzackförmig der retuschierte Arbeitskantenbereich. Gegen eine natürliche Bestoßung spricht die gewisse Regelmäßigkeit der fein gesetzten Retusche. Die anderen Kanten zeigen keinerlei vergleichbare Spuren.

13d: Der Seitenchopper mit konkaver Schneidenkante in Gegenübertsellung zum Quarzchopper mit konvexer Schneide (Abb. 1c/d). Beide Artefakte zeigen die gekappte Spitze (Seitenchopper mit Schlagführung von unten, Quarzchopper mit Schlagführung von oben auf die Spitze).Der Seitenchopper mit gekapptem Heck.

13e: Detailaufnahme der Schneidenkante am Seitenchopper. Wie an anderen Artefakten welche einer Gebrauchspurenanalyse unterzogen wurden, wirken die Spuren hier an Quarzit am stärksten verwischt. Es gelingt jedoch zunehmend die Ansichten mittels anderer Gerätematerialien wie Hornstein oder auch Quarz zu erweitern. Feinheiten an wiederstandsfähigeren Rohmaterialien entdeckt können auf formangleichende Geräte übertragen d.h. wiederentdeckt werden.


13f: Spitzchopper an einem walzenförmigen Geröllstück mit zwei seitlichen Abschlägen zur Spitze hin, gekapptes Heck (wie 13b), Quarzit. Als bezugloses Objekt würde es nicht weiter auffallen, in Verbindung mit andern Artefakten an gleicher Stelle verdient es jedoch eine genauere Betrachtung. Münzenberger Typ: II,2 Bifazialer Schaber mit gerader (gemeint ist eine axial teilende) Schneide, hier mit konvexer Arbeitskante.

13g: Ein gevierteltes Geröllstück oder Endstück mit konkaver Spitzenzurichtung und gekapptem Heck (Quarzit, 12,6 cm).

13h: Die Ansicht der "Ventralseite" zeigt den konkaven, hohlschaberartigen Buchtschlag rechts. Leicht wellig die Seite links. Ob nun die Bucht oder der linke Kantenverlauf als Arbeitskante angesehen werden kann muß offen bleiben. In dieser Ansicht vermittelt der Dorn jedoch eine Art seitliche Begrenzung der Hohlschaberbucht.

13i: Der wellige Verlauf zeigt sich gegenüberliegend der eingebuchteten Arbeitskante (rote Linie). Der konkave Buchtschlag dient der Fingerablage. Ein guter Angleich ergibt sich mit dem Artefakt ab Abb. 14b. Die Handhalte vermittelt sich in dieser Weise als optimal. Heckstumpfung und der leicht gebogene Rücken liegen günstig im Handballenbereich. Eine umgekehrte Verwendung mit Einsatz der Bucht als Schabekante würde die optimale Handhalte nur bei linkshändigem Gebrauch ergeben.


Gespaltene Gerölle und deren Gliederung (n.L. Ramendo 1963, 50).

0-Gespaltene Gerölle  01 horizontal zerlegtes Geröll 02 schräg zerlegtes Geröll 03 längs zerlegtes Geröll 04 in Orangenschnitze zerteiltes Geröll 05 zunächst quer, dann längs zerlegtes Geröll, jeweils von der vorigen Bruchfläche ausgehend.

1-Einseitig geschlagene Gerölle  11 Geröll mit einem Negativ 12 Geröll mit zwei oder mehr Negativen in einer Ebene bis Geröll 12 bis Geröll mit einer Spitze, entsatnden durch zwei oder mehr Abhebungen 13 Geröll mit stufig retuschierter Schneide 14 Geröll mit konkaver, aus einer oder mehrereen Abhebungen bestehender Arbeitskante

2-Zweiseitig geschlagene Gerölle  21 Geröll, dessen Schneide durch je ein alternierend angebrachtes Negativ beidseitig gebildet wird 21 bis wie 21, jedoch mit spitz zulaufender Schneide 22 Geröll, dessen Schneide durch zwei gegenüberliegende Negative gebildet wird 23 Geröll, bei dem ein schräges Negativ von zwei oder mehreren so geschnitten werden , daß eine Schneide entsteht 23 bis wie, jedoch so, daß eine Spitze vorhanden ist 24 Geröll mit mehreren Negativen auf einer Seite, die von einer einzigen Abhebung überschnitten werden 25 Geröll mit welliger Schneide, die durch Abhebung erst auf der einen, dann auf der anderen Fläche entstand 26 Geröll mit welliger Schneide, die durch alternierend angebrachte Abhebungen gebildet wird 26 bis wie 26, jedoch wird eine Spitze erzeugt und damit ein Übergang zum Faustkeil.

3-In mehreren Richtungen bearbeitetes Geröll  31 Geröll mit welliger Schneide, die durch umlaufende beidseitige Retusche entstand 32 Geröll mit Abhebungen aus mehreren Richtungen, jedoch erhaltener Basis 33 wie 32, jedoch pyramidenförmig 34 Polyeder mit umlaufenden Negativen

4-Spezielle Arten (ohne Abbildung)  41 Spitz zulaufendes Geröllgerät 42 Trieder

14a: Spitzchopper mit einseitiger (?) konkaver Spitzenpräparation und eventuell gepickter Oberfläche. Vertiefungen mit Krustinationsresten verfüllt. Quarzit (9,3 cm), Heckseite gekappt. Beschreibung zu einem Fundstück aus Münzenberg (nach Biberson Typ 1,1 bzw. 1,2 der nachfolgenden Tabelle): Bei der Interpretation des folgenden Gerätetyps, des Hohlschabers mit konkaver Schneide 1,2, brauchen wir nicht sol lange zu verweilen. In diesem Falle ist - um zunächst bei der hochaxialen Form zu bleiben  -der Kopf des Gerölls so stark gekappt, daß die Schabe- oder Schneidekante am verbliebenen Werkstück eine deutliche konkave Profillinie aufweist. Eine solche kann kaum durch Naturkräfte hervorgerufen worden sein. Da das auch bei queraxial gearbeiteten Geröllen ebensowenig der Fall ist, und wir ebenso wie beim Typ 1,1 nur selten eindeutig entscheiden können, ob die konkave Schneidekante durch einen Abhieb allein, oder erst durch mindestens einen zweiten Abhieb im gewünschten Umfang hatte bewerkstelligt werden können, fassen wir im Unterschied zu Biberson wiederum die theoretisch möglichen vier Ausgestalltungsformen in einem einzigen Typ zusammen. Man muß den Artefakcharakter des einfachst gestalteten Hohlschabers 1,1, selbst an jedem einzelnen Exemplar kritisch prüfen, so dürfte es schwer sein, gegenüber dem konkaven Hohlschaber 1,2 überzeugende Gegenargumente ins Feld zu führen. Zugestanden ist, daß es bei dieser Gruppe der konkaven Hohlschaber in der Bestimmungspraxis auch Fundstücke gibt, deren Abhiebkappen höchst knapp angesetzt wurden. das war vornehmlich der Fall bei Artefakten aus der ersten "Hohlweg"-Grabung C 1, September 1974, die damals faktisch die ersten stratigraphisch gesicherten Artefakte geliefert hatte....    Doch ist keineswegs selbstverständlich, daß die unmittelbar angeschlagenen Gerölle als verbleibende Werkstücke stets mit einer scharfen Schneidenkante aus der Schlagprozedur hervorgehen. Bei eigenen Schlagersuchen haben wir häufig genug erlebt, daß, wenn der Abhieb nicht mit dem ersten Schlag gelingt, die notwendige Wiederholung der Hiebe eher zu einer Verstumpfung als zu einer Schneidenschärfung der beschlagenen Kante führen kann....     Wie problematisch die Typendifferenzierung nach einem Hieb, nach zwei oder nach weiteren Hieben in der Gruppierungspraxis bleiben muß läßt eine bemerkenswerte Gruppe von Hohlschabern erkennen. Häufiger als es sich einwandfrei nachweisen läßt, ist die muschelige Bucht zusätzlich von ihrem unteren , dem ausklingenden Ende her nachgearbeitet, vielleicht sogar erweitert worden. Daraus geben sich Spuren einer Schlagmarke am unteren Außenrand und die entsprechenden Strahlsprünge zweifelsfrei deutlich zu erkennen. (Textauszug aus: Die altpaläolithische Geröllgeräte-Industrie der Münzenberger Gruppe in Oberhessen, Herbert Krüger, Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1994). 


14b: Halbiertes Geröllstück mit konkavem Abschlag, Quarzit (9,8 cm). Die rechte Abbildung zeigt den Begrenzungsdorn und die anliegende Schneide. Mit diesen Kennzeichen ist der Weg zum Nasenschaber geebnet...

14c: Bei entsprechender Handhalte zeigt sich der konkave Abschlag oben. Die untere Kante zeigt eine leicht wellige Struktur.

14d: Die konkave Bucht würde als ideale Fingerablage dienen und die leicht schrägt gestellte Arbeitskante befände sich gegenüberliegend. Ein exakter Vergleich stellt sich mit dem Artefaktstück ab Abbildung 13g. Die Erscheinungsform des Hohlschabers (Chopper-Variante) ist hier quasi umgekehrt worden. Der konkave Abschlag würde sich zur Fingerhalte wandeln und der nun entstandene Dorn bildet das Ende der gebogenen, konvexen Arbeitskante. Würde sich der Dorn vorstehend bilden, wäre die Führungshilfe gegen Abrutschen beim Schabevorgang vollständig entwickelt. Die Hohlschaberinovation könnte also letztendlich zum Nasenschaber geführt haben.

14e: Nach der extremen Verrundung erscheint die Retusche nur noch als sanfte Wellenstruktur mit vereinzelt hügelartigen Erhebungen zwischen den Retuschebuchten. Die Arbeitskantenansprache an der Bucht kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Interessanterweise ergibt sich die Fragestellung an den beiden Objekten in angleichender Ausführung (13g u. 14b).

14f: Beide Artefakte (13g und 14b) noch einmal im direkten Vergleich: Beide zeigen sich halbiert mit gekapptem Heckbereich und konkavem Spitzenzuschlag. Bei dem Objekt 13g zeigt sich die Spitze eher mittig, bei 14b zur Seite ("Nasenschabertypisch") orientiert. An nachfolgend vorgestellten Artefakten zeigt sich die Hohlschaberausführung (der konkave Buchtschlag) ziemlich eindeutig als Arbeitskante.


DER WEG ZUM NASENSCHABER BEGINNt SCHON HIER:

Bucht und stumpfe Spitze als Schaberführung...

15a: Zwei Chopper (Bifazialer Diskus, diskoider Choppingtool Typ II,6 -Biberson : II,14; II,15-) mit einseitig konkavem Abschlag (wie Typ I,2)an diskoidartigen Körpern. Es bildet sich ein erhabener, diskoidtypischer Mittelpunkt zur Fingerauflage. Die Besonderheit bilden hier zwei unterschiedlich wiederstandsfähige Materialien. Quarzit in starker Verrundung und Hornstein, zwar speckig und wohl windgeschliffen, jedoch kantenschärfer unterstützt er das Quarzitobjekt in seiner Formgebung (siehe auch 33a / b). Der Hornsteinchopper zeigt eine sehr wahrscheinlich erhaltene Retusche an der linken Kante wie diese an Quarzit kaum erhalten bleiben kann (siehe Abb.15c). Eine diskoide Vorgehensweise scheint auch auf einen Nasenschaber (letzte Seite Abb. 17c) vorstellbar.

15b: Die beiden Chopper aus Quarzit (links 7,4 x 6,1 cm) und Hornstein (rechts 6,5 x 4,8 cm). In dieser Betrachtungsweise scheint auch die untere Kante des Quarzitchoppers leicht wellig.

15c: Detail der punktförmigen Retusche am Hornsteinchopper.

15d: Detailaufnahmen der Kantenretusche am Hornsteinchopper.

15e: Detailaufnahme der Kantenpräparation.

15f: Der Hornsteinchopper zeigt auf seiner Rückseite die facettierte diskoidartige, wechselseitige Zurichtung mit Mittelkante. Zwei weitere Werkzeuge an Diskoiden zeigen sich ab Abbildung 108h. Die erhabene plateauartige Fläche im Diskoidmittelpunkt zeigt sich rechts.

15g: Vergleich mit einem Chopper aus Canto-tallado / Spanien an einem Quarzgeröll (etwa 600 000 J.v.h). An der rechten Abblidung scheint sich ebenfalls an der linken Kante, der Rest einer möglichen Retusche zu befinden.

15h: Vergleich mit einem Chopper aus Achenheim. Paléolithique ancien, Quartzite, H.:73mm L.: 85mm. Musée Archéologique / Palais Rohan, Strasbourg. Dépot de l Institut de Géologie de I Université, Inv.: D. 11.983.1.6.

15i: Angleichbares Objekt vom vorgestellten Fundplatz, Quarzit (6,7 cm). Ab der Abb. 39c zeigt sich ein weiteres Geröllgerät mit einem starken einseitigen muscheligen Abschlag in der Variation zum Nasenschaber.

Typenaufteilung einflächig (links) und zweiflächig (rechts) bearbeiteter Geröllgräte für den Fundort Münzenberg / Oberhessen (abgeleitet nach Biberson). In der Anwendung für den hier vorgestellten Fundplatz werde ich entsprechende Typisierung sporadisch vornehmen. Die Münzenberger Geröllgeräte zeigen generell eine teilweise verblüffende Übereinstimmung mit den hier gezeigten Artefakten. Die Zuordnungen sind teilweise nicht immer problemlos durchführbar, es zeigen sich Zwischenstufen und Abwandlungen. Gelegentlich wird auch im Münzenberger Inventar eine Typenzuweisung entschieden bzw. erzwungen. Vermerkt sei an dieser Stelle die generelle Schwierigkeit in der Darstellung der Geröllgeräte, da nicht nur "zweiseitig" wie für Klingen und Abschläge üblich, kann hier die Position in der fotografischen und zeichnerischen Darstellung bei wirklich rundlichen Objekten ausgesucht werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund zeigen die Fotos charakteristische Merkmale und Handhaltungen um einen praxisnahen, möglichen Eindruck zu vermitteln. Fotografie und vor allem deren Ausschnittsvergrößerung zeigten mir oftmals manche Überraschung, die dem üblichen Augenschein weitgehend verborgen bleibt .

Unifaciale Geröllgeräte (links): 1,0 Gerölle mit Schlagmarken, unifaciale Schlagwerkzeuge 1,1 Hohlschaber mit konvexer Schneide, 1,2 Hohlschaber mit konkaver Schneide 1,3 Unifaciale einfache Spitze 1,4 Unifaciale Chopper mit Schneide 1,5 Unifaciale Chopper mit Spitze 1,6 Unifacialer Diskus, diskoider Chopper 1,7 Unifacialer Geröllabschlag, Abschlagkappe 1,8 Unifacialer Diagonalabschlag, unifacialer Protofaustkeil.

Bifaciale Geröllgeräte (rechts): II,0 Schlagstein mit Schlagmarkenfeld II,1 Bifacialer Schaber mit diagonaler Schneide II,2 Bifazialer Schaber mit gerader Schneide II,3 Bifaciale einface Spitze II,4 Bifacialer Chopping-tool mit Schneide II,5 A Bifacialer Schopping-tool mit Spitze , bifacialer Protofaustkeil II,5 B Bifacialer Cleaver II,6 Bifacialer Diskus, diskoider Chopping-tool II,7 Bifazialer Geröllabschlag II,8 Bifazialer Diagonalabschlag, bifazialer Protofaustkeil.

Typenaufteilung mehrflächig bearbeiteter Geröllgeräte für den Fundort Münzenberg (nach Biberson).III,1 Polyeder III,2 Polyedrisches Geröllgerät III,3 Polyedrische Geröllspitze III,4 Trianguläre Geröllspitze (Abb.12) III,5 Zitrusschnitzenförmiger Geröllabschlag O,X Typologisch nicht bestimmbare Artefakte.


Spitze als Arbeitsbereich oder Führungsdorn?

Nase, Dorn und Spitze eine erschwerte Zuweisung!

Der Weg zum Nasenschaber geht weiter...

16a: Zwei "picartige" Spitzen mit breiter flächiger Handhalte in komplexer Ausführung. Links mit spitz zulaufender, leicht (rechts) retuschierter Schneide. Die abgesetzte Spitze scheint als Führungsdorn für die eigentliche Schneide zu dienen. Ein Vorspiel in die Thematik Nasenschaber.

16b: Die am aufwendigsten ausgeführte, picartige Handspitze in optimaler Handhaltung, zeigt eine abgesetzte Vierkantspitze.

16c: Hier könnte es sich um einen tatsächlchen Pic handeln. Die dornartige Spitze scheint die Arbeitsfläche darzustellen. Abb 16a gleicht sich in der  grundsätzlichen Formgebung und Handhabe an.

16d-Vergleich: Das als Kernrest bezeichnete Fundobjekt von Schmitshausen/Pfalz (Emil Hoffmann) zeigt bei entsprechender Ausrichtung eine verblüffende Formangleichung. Die nicht vorhandene Ausarbeitung der Spitze lässt eine Verwendung dergleichen ohne weiteres zu. Eine Arbeitskannte im oberen Bogenbereich bleibt möglich (Grauwacke, leichter Wüstenlack 6,0 x 6,4 x 5,2 cm 166 g).

16e: Aufsicht auf die abgesetzte Vierkantspitze bei optimaler Handhabe. Die Spitzenseiten zeigen sich facettiert zulaufend zur eigentlichen Spitze (im rechten Teil des Vierkantes).

Es zeigen sich immer wieder variable Einsatzmöglichkeiten von Vorsprüngen verschiedenster Art auf gleiche Artefaktgrundformen angewendet:

17a: An diesem optisch wirkenden "Pic" zeigt sich sowohl der Spitzen-(unten mitte) als auch der Handhaltebereich (rechts oben) facettiert. Rechts unten zeigt sich die wieder gekappt erscheinende Heckansicht, Quarzit. Oben rechts zeigt sich die abgesetzte Spitze vielleicht auch als Begrenzung / Führung der links anliegenden, vermuteten Arbeitskante.

17b: Die Spitze zeigt bei genauer Sicht die facettierte Zurichtung. Der hitere, deutlich abgesetzte Handhaltebereich mit mehreren länglichen Abschlägen wird gut erkennbar. Trotz der teilweise starken Kantenverrundung zeigen Detailfotos immer wieder erstaunliche Feinheiten (rechte Kante unten mit noch leicht welligem Kantenverlauf und abgesetzter Spitze), welche nicht unbeachtet bleiben dürfen und eine (meiner Meinung nach) deutliche artifizielle Ausprägung zeigen. Irgendwie scheint die Spitze schon auf nasenschaberartige Ausprägungen zu deuten (Spitze begrenzt die vermutete Schneide /Arbeitskante). Im Aufbau (mit facettierter Fläche hinten) zeigt es sich identisch mit dem Abschlag der Abbildung 20. Leiten sich Nasenschaber aus Choppern mit Spitze ab? Ist zum Thema "Spitze ist nicht selten auch eine Handhalte (Thema nach Abb.50)" auch Spitze ist nicht selten oft auch nur einfach eine Begrenzung oder Führung für die Schneidekante.

18: Spitzenartiger Abschlag mit seitlicher Stumpfung an der Kappung zur Spitze hin. Ventralseite mit Krustinationsauflage, facettierter Handhaltebereich, Quarzit. Die Unterteilung Spitze und facettierte Abschlagflächen hinten, zeigen sich auch auf der Abbildung 17b (hier Geröllgerät) in Übereinstimmung. Die Arbeitskante dürfte auf dem linken Bild links der Spitze liegen. Rechts zeigt sich ein verblüffend, nasenschaberartiger Angleich!   

19a: Eine kleine abgesetzte Nase (wie 17b) zeigt sich an diesem flachen Geröllstück mittig von zwei Abschlägen begrenzt aus Quarzit (6,7 cm). Es wird sich trotz der nachfolgenden Vergleiche in einer verblüffenden Verwendung wiederfinden. Die untere linke Seite bildet keilförmig, beidseitig geschlagen  eine mittig liegende Kante.

19b Vergleich: Chopping-tool mit Spitze (abgesetzt) von Münzenberg / Oberhessen Typ II,5A  Quarzit (7,8 cm).

19c Vergleich: Chopping-tool mit Spitze (abgesetzt) von Münzenberg / Oberhessen Typ II,5A   Quarzit (9,2 cm) Mit 5 bzw 4 geführten Abschlägen. Vielleicht erkennen wir hier bereits den Prototyp für einen Nasenschaber. Der Dorn begrenzt die linke anliegende Arbeitskante.

19d: Der Dorn am vorgestellten Objekt bekommt eine ganz andere Bedeutung. Die beidseitig angeschrägte Seite der Arbeitskante zeigt sich leicht am Daumen und führt weiter nach unten (roter Pfeil), es ist jene mittige Schneide eines bezeichnenden Chopping-tools. Die beiden steilen Schläge bilden letztlich eine bogenförmige Handhalte (oben). Die Spitze befindet sich zwischen Zeige- und Mittelfinger.

19e: Die abgesetzte Spitze zwischen Zeige- und Mittelfinger. Ein optimal sicherer Griff bei maximaler Kraftübertragung!

19e: Die keilförmig zugerichtete Schneide am Chopping-tool zeigt einen welligen Kantenverlauf mit Retuscheresten.

Abb. 20-25 in Bearbeitung bzw. Versetzung

Der Dorn als Handhalte? Vorwegnahme des Themas "Spitze ist nicht gleich Spitze".

26a: Dornhalteschaber: Erst die Auffindung mehrerer möglicher Artefakte zeigt gleichartige Gestalltung und ermöglicht nach vielen Überlegungen, eine scheinbar logische Handhabung der Objekte. Beide hier gezeigten Artefakte entstammen einer Fundfläche und sind aus Abschlägen (Quarzit) gefertigt. Der Schneidenbereich zeigt stark verwischte Gebrauchs (?) -Retusche. Anfangs auf die beiden Dorne  (als Arbeitsspitze) fixiert konnte erst das eigene Handhalten einen möglichen Lösungsansatz bieten (nächstes Bild). Die beiden Artefakte gehören zur ersten Fundserie. Der Aspekt der Spitzgriff- oder Dorngriffschaber war mir bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Die Bucht an der rechten Kante legt die Verwandschaft zum Nasenschaber nahe. Hier scheinen jedoch keine Retuschen oder Abnutzungserscheinungen ersichtlich. Gelegentlich wird dieser Aspekt noch einmal aufzugreifen sein. Sieht man die unteren Retuschen als Schutzretusche zur Handhabe könnte sich ein anderes Bild ergeben.

26b: Die beiden Dorne entpuppen sich als perfekt angelegte Handhalte... Die eigentliche Arbeitskante befindet sich an der unten, sich verjüngenden, spitz zulaufenden Schneide (v).

Die "echten" Nasenschaber . Hier begrenzt der Dorn die Arbeitskante.

29a: Nasenschaber aus Quarzit. Der Arbeitsbereich befindet sich rechts bis zum Dorn und wird hierdurch begrenzt (7,4 x 5,1 cm). Zum Thema Nasenschaber finden Sie weitere Information auf der nächsten Seite (Geologie...) ab Abbildung 17a.

29b Vergleich: Zwei Nasenschaber vom Fundort Battenberg (Pfalz) / Emil Hoffmann "Ein altsteinzeitlicher Werkplatz des homo heidelbergensis, Beitrag zur Erforschung der frühen Werkzeugkultur".

29c: Der Nasenschaber (29a oben) in Gegenüberstellung zu einem Hornsteinartefakt aus dem Donauschotter beim Kloster Weltenburg (Weltenburger Enge). Wie dieser Einzelfund (?) dort hingelangte bleibt fraglich. Überhaupt wurde und wird der Artefaktcharakter des verrollten Hornsteinobjektes stark angezweifelt, erhält aber in diesem Vergleich durchaus eine Ansprache.

29d: Diverse Nasenschaber in verschiedenen Verrundungsstadien. Mit rotem Punkt: eher unförmig und stark verschliffen scheint sich eine Entwicklung zum geradkantigen Artefakt mit kleiner Nase  aufzuzeigen (schwarzer Punkt). Mitte: Ein Artefakt mit nach links gesetztem Dorn (siehe auch Abb. 85f / g). Überwiegend Gerölle, die beiden Nasenschaber in der unteren, rechten Bildecke aus Hornstein.

29e: Die Nasenschaber zeigen ihre Weiterführung in den heller patinierten Quarzitvarianten an Abschlägen eines vermuteten mittleren oder jüngeren Mittelpaläolithikums (Links: 9,8 cm). Mag man an der vorherigen Abbildung gelegentlich Zweifel in der artifiziellen Formgebung erlangen, scheinen die Nasenschaber an Abschlägen doch eine eindeutige Ansprache zu vermitteln und können die verrundeten (älteren) Artefakte in ihrer grundsätzlich, parallelen Erscheinungsform unterstützen (Alle Fundstücke finden sich vermischt an den jeweiligen hotspots).

29f: Die Bucht am kleineren Nasenschaber (stumpf und gesteilt) mit winkelig sich anfügender, retuschierter, gerader, zusätzlicher Arbeitskante.


"Pic´s","Spitzen","Pfrieme" und deren oft erschwerte Zuweisung:

33: Zwei Minipics mit etwa je 6 cm.  Der rechte, stark Verrundete aus Quarzit. Wiederstandsfähiger scheint die Variante aus Hornstein links. Die Hornsteinvariante scheint den schier unkenntlichst verrundeten Quarzit-Pic in seiner Formgebung zu rekonstruieren und verweist auf die starken Verrundungskräfte. Beide dürften in ihrer Spitze eine tatsächliche Ansprache als Pic erfahren.

33b: Detail der Pic-Spitze am Hornsteinartefakt

33c: Geröllpic (Quarzit, 7,4 cm).

33d: Die feinere Überarbeitung der eigentlichen Spitze zeigt sicht stark verrundet.

33e: Geröllpic mit einseitig konkavem Spitzenzuschlag (Quarzit, 7,2 cm).

33f: Neufund Mai 2011: Geröllpic aus Quarzit. Eine Vortsetzung verschiedener, teilweise stark verrundeter Pics findet sich ab der Abbildung 96 bis 98.


34a: "Handspitze" oder messerartiger Abschlag. Stark verrundet mit seitlicher, steiler Schneidenretusche (oder Stumpfung) mit überlagernder Krustinationsauflage, Quarzit (7,5 x 6,0 cm).

34b


34c Vergleich: Das wohl schon trefflich von Emil Hoffmann als Spitzschaber bezeichnete Artefaktstück (Battenberg) scheint sich exakt, wenn auch geringer verrundet, anzugleichen. Die Bezeichnungen für altpaläolithische Artefakte sind oft variabel und durch geringfügige Modifikation am Gerät erscheint die Grundform in Ihrer Funktion verschieden ansprechbar. Bei diesem Artefakt erfolgte eine Spitzenausarbeitung mittels zweier konkaver Retuschen (Gegenüberliegend mit gestumpftem Heck/Handhaltebereich). Die rechte Schaberkante liegt gegenüber der verdickten Handhalte bis zum Heckbereich. Viele Artefakte erscheinen multifunkional, zweckmäßig, an gegebene Umstände angepasst und nur schwer mit modernen Bezeichnungen in absolute Deckung zu bringen. 


35: Picartiges Gerät, "Doppelspitzartig" an einem Abschlag (?) mit steiler Stumpfung im Bogen und Längsseiten- Bereich, Quarzit (10,0 x 4,5 cm).


36a: Handspitze (pfriemartig) mit geringer Kantenverrundung, und Krustinationsauflage (event. Mittelpaläolithikum). Auf einer Seite rückengestumpft, zeigt sich hier eine mögliche sekundäre Retusche, Quarzit, (10,2 x 8,5 cm). Die steil gestumpfte Seite gehört wohl zur ursprünglichen und zeigt den speckigen Windschliff (Glanz) der allgemeinen Oberfläche. Rechts zeigt sich die sekundäre. einseitige Retusche im konkaven Bereich zur Spitze hin.

36b: Rechts: Detail der älteren Retusche an der Spitze, darunter setzt die frischer wirkende Nachretuschierung an.

Eine spitze Nase! --eben nur "picartig"--

Unter den sog. Pic´s verbergen sich nicht selten verschiedenartigste Kleingeräte die eine differenzierte Ansprache verlangen. An einigen vorschnell in diese Kategorie gestellten sog. Pic´s (Geräte mit tatsächlicher Arbeitsspitze) wird eine andere Zuweisung offensichtlich: Die Thematik "Nasenschaber" verdient dabei besondere Berücksichtigung.

37: "Picartiges" Gerät  (Spitzchopper) in verschiedenen Perspektiven (Quarzit) an einem Abschlag bzw. geteiltem Geröllstück in "Terra-Amata-Art".

38a: "Picartiges" Gerät an einem Geröllstück  (Quarzit, 8,7 cm). Rückseitig etwas überplatzt.

38b: In entsprechender Handhaltung wird die Spitze zum Führungsdorn für die daneben befindliche Schneide (hier Unterseite und Spitze etwas abgeplatzt).

38b: Spitze oder Nasenschaber? Die Zweideutigkeit in der Ansprache zeigt sich an der Spitze links. Gedreht und richtig gehalten zeigt sich die Spitze als Führungsdorn. Benutzungsspuren links neben dem Dorn (Quarzit, 7,0 cm).

39a: Zwei "Pic´s" an Geröllen bedürfen einer genaueren Betrachtung. Der hintere "Pic" (auf dem nächsten Bild rechts) zeichnet sich durch einen starken konkaven Abschlag und einem dornartigen Vorsprung aus. Vorderes Objekt dürfte als "echter Pic" angesprochen werden (bzw. polyedrische Spitze).

39b: Die beiden "Geröll-Pic´s" mit etwa je 7 cm. der rechte zeigt sich mit einem exzessiven muscheligen Abschlag wie er sich ähnlich an der Serie ab Abb.15 zeigt und auch das Prinzip des Nasenschabers nahelegt.

39c: Gerölle mit einseitig starkem muscheligem Abschlag kennen wir aus den Abbildungen ab 15a, dort an Diskoiden. Die leicht diskoide Form mit zentralem Mittelpunkt könnte sich auch hier zeigen wollen wir die untere Hälfte des aufgestellten "Pic" nicht als Naturfläche werten. Ein schräg geführter, nicht ganz gerader Trennschlag stellt die dornartige Spitze deutlich ab. Als Hohlschbaer könnte er der Münzenberger / Biberson - Tabelle nach eingeordnet werden und würde hiermit auch nicht völlig daneben liegen. Die diskoide Grundform müsste neben dem Dorn weiterhin eingegliedert werden. Betrachten wird Dorn und Bucht genauer zeigen sich erstaunliche Details:

39d: Auf der "Unterseite" welche bei Arbeiten (schaben) zum aufliegen kommt, zeigt sich eine facettierte, angeschrägte Abnutzungserscheinung (wie auf dem Bild oben rechts bereits erkenntlich) bis zum diskoiden Mittelpunkt. Die Ansprache als Pic zeigt sich als völlig falsch, es handelt sich hierbei um einen Führungsdorn, einer Nase an der stark konkaven Schabekante. Bei aller kritischen Betrachtung der Thematik Nasenschaber wird entsprechende Bezeichnung zunehmend einen eigenen, festen Platz verdienen. Schon wegen der zahlreichen Varianten ist die Bezeichnung als feste Verankerung notwendig und meiner Meinung nach mehr und mehr unumstößlich. 

39e: Aufsicht auf den konkaven Abschlag mit facettiert einseitig, abgenutzter, unterer Kante.

39f: Vorgestelltes Objekt mit einer kleineren, vergleichbaren Variante an einem Geröllstück.

40a: Verschiedene "Pic´s" mit wechselseitigem Zuschlag entsprechen in größerer Variante den Choppern. Sie zeigen sich grundsätzlich komplett stark verrundet . Vorne (liegend) zwei "picförmige" Abschläge zeigen typologisch schon zinkenförmig, nasenschaberartige (die rechten hellere Spitze und auch das Geröllstück rechts außen) Gerätevarianten an.

40b: Betrachtet man die beiden hinteren "Pic´s" der Abbildung 40a etwas genauer zeigt sich die bereits bekannte Typologie des Choppers (Hohlschabers) mit verstärkt einseitig, konkavem Abschlag und mehrfachen weiteren Zurichtungsschlägen zur (polyedrischen) Spitze. Trichterartige Vertiefungen werden im Münzenberger Fundinventar gerne als Schlagsteinindiz gewertet. Die Zurichtung zum Chopper erfolgte demnach also erst im zweiten Verwendungsschritt. Ein nicht ganz unlogischer Gedankengang bedenkt man bei entsprechendem Schlagstein drehen, die eiförmige Grundform für einen späteren Chopper vorformen zu können. Der untere Chopper wirkt zudem auf seinerm Körper wie für Schlagsteine (noch nicht ganz verrundet) typisch, grob durch verwischte, überschlagene Kanten facettiert. 

Münzenberg (Wetteraukreis), Protoacheuléen. Hier werden alle Variationen als Chopping-tools mit Spitze oder Schneide klassifiziert. Oberste Reihe entspricht den unter Abbildung 40b vorgestellten Artefakten.

Im Prinzip scheinen auch zinkenartige Geräte in unmittelbarem Zusammenhang mit den Nasenschabern zu stehen

41a: Zwei dunkel patinierte picartige Artefakte (Zinken) Formgebend wirken beide deutlich stärker überarbeitet als jene beiden zuvor gezeigten Geröll-Pic´s und könnten noch in ein jüngeres, mittleres Acheuléen gehören. Betrachtet man die leicht geknickten Seiten, rechts neben den Spitzen erscheint die Verwandschaft zum Nasenschaber hergestellt. Das kugelige "Urmaterial" wird langsam durch Abschläge ersertzt. Die funktionale Vorgabe (Spitze als Führungsdorn mit anliegender Schabekante) dürfte in nicht wenigen Fällen beibehalten worden sein.

41b: Beide etwa 6 cm


42a: Zwei zinkenartige (nasenkratzerartige) Artefakte an Abschlägen (Quarzit), Dorsalseite.

42b: Der Linke wirkt feuergerötet, der Rechte stark kantenverrundet mit einer Kalksinterauflage (keine Krustinationsauflagen). Möglicherweise noch Acheuléen oder frühes Moustérien.


43a: Wohl mittelpaläolithischer Charakter zeigt das bohrerartige, hell patinierte Stück an einem Abschlag (Quarzit, etwa 6 cm) neben einem rautenförmigen Keilmesser (Keilmesser-Gruppe, Micoquien) mit gestumpftem Rücken und Handhalte (zu diesem Thema: siehe weiter unten "kleine Handspitze, Zinken" mit identischer zungenförmiger Handhalte).

43b: Die ausgearbeitete Spitze des bohrerartigen Artefaktes. Abgesehen von  unterschiedlichen Verrundungsgraden zeigt sich eine zunehmend differenziertere Abschlagstechnik und Formgebung.


Youtube Link: Filmische Bildeindrücke von Pic´s, Spitzchoppern etc.

http://www.youtube.com/watch?v=evmDTyg9bsk


Spähroide, Polyeder

Sphäroid (etwa 7 cm), Olduvai-Schlucht (Tansania). Die Sphäroide, die an manchen Fundstellen in Ostafrika allgegenwärtig sind, entstanden wahrscheinlich als unbeabsichtigtes Nebenprodukt, wenn ein eckiger Quarzitblock als Schlagstein diente, mit dem Abschläge von anderen Gesteinsbrocken entfernt wurden. In Experimenten verwendete man eckige Quarzbrocken als Schlagsteine, mit denen Stücke von anderen Steinen abgeschlagen wurden. Wie sich dabei herausstellte, verwandeln sich die Quarzstücke unter solchen Umständen innerhalb weniger Stunden in Gebilde, die einem Sphäroid ähneln. Demnach kann man annehmen, daß die Schlagsteine von den frühen Hominiden immer wieder verwendet und auch mitgenommen wurden (aus Lucy und ihre Kinder v. Donald Johanson u. Blake Edgar).

45a: Die Oberfläche der Sphäroide zeigt sich im Gegensatz zu "Naturkugeln" porös und vernarbt. Nach Verwitterung und abgeplatzter Krustination werden die typischen Schlagnarben verwischt. Eine Möglichkeit für relativ seltenes Auffinden von typischen Schlagsteinen auf altpaläolithischen Plätzen. Sphäroide mit jener Oberfläche bleiben selten und konnten bis Dato nur innerhalb der Artefaktkonzentrationen geborgen werden.

45b

45c Vergleich: Die bereits von Emil Hoffmann als Schlagsteine verifizierten Artefakte von Battenberg.

46: Neben der Schlagsteinverwendung kommen noch andere Überlegungen zur Anwendung. Der nachfolgende Polyeder könnte einen Hinweis zu Alternativen, welche auch für Sphäroide zutreffen geben..       

47a: Polyeder (von Vielecken begrenzter Körper; polyedrisch: vielflächig), Quarzit (etwa 8 cm bei 338 g). Annähernd kugelige, würfelförmige oder vielkantige Kerne, die Abschlagnegative zeigen und deren Schlagrichtung häufig wechselt. Sie tauchten erstmals vor etwa 1,9 Mio. Jahren im Oldowan auf. Polyeder mit Narbenfelder könnten in der Weise benutzt worden sein, wie auch jeder andere Stein als Klopfgerät hätte verwendet werden können. Die sehr kleinen Abschlagnegative (hier 2,0 bis 4,0 cm) auf manchen Polyedern machen es aber wahrscheinlich, daß sie nicht nur als Restkerne anzusehen sind, sondern gezielt hergestellte Werkzeuge oder Schleudergeschosse waren. Als Wurfsteine hätten sie gegenüber glatten Kieseln den Vorteil, bei schrägem Auftreffen auf das Fell eines Tieres größere Schockwirkung und Verletzungkraft zu haben (Fiedler, 64, 101). Bemerkenswert erscheint auch die Beschreibung zum Thema Bolasteine (span.: bola: Kugel) Kugelige Steine mit etwa 5 - 11 cm Durchmesser aus Quarz, Quarzit, Kalk-, Sand- und Felsgestein. Ihre kugelige Gestalt haben sie oftmals im wirbelnden Wasser von Strudellöchern und Gletschertöpfen erhalten, doch sind nicht wenige durch Picken künstlich geformt. Die ein-, zwei- oder dreikugeligen Bolas waren Fernwaffen. Die Kugeln waren umschnürt oder in einer Lederhülle miteinander verbunden und können dem Tier um die Beine geschleudert werden. Die Wucht der Kugeln wickelt das Verbindungsseil um die Füße des Tieres und bringt es zu Fall. Bolasteine kommen bereits seit dem frühen Mittelpleistozän (700 000 - 120 000 Jahre) vor. Im Vorderen Orient, im Tell Hassuna in Mesopotamien, wurden aus dem Neolithikum Schleuderkugeln aus gebranntem Lehm gefunden. Eine ähnliche Wirkung haben die neolithischen Fangsteine der Sahara (Emil Hoffmann, Lexikon der Steinzeit).

47b: Kernsteine / Polyeder vom Fumdort Battenberg (Emil Hoffmann).


Thema: Krustinationsauflage

48a: Ein cleaverartiges Gerät mit starker Krustinationsauflage, welche Vertiefungen auffüllt und Feinheiten zu verwischen scheint. 


48b: Der recht grob gestaltete Cleaver in Handhaltung.  Ein Kernstein kann als Erklärung nicht ganz ausgeschlossen werden, zeigt er doch seine diskoide Zurichtung mit Mittelpunkt auf der Gegenseite. Links zeigt sich eine mit mehrern Schlägen gekappte Seite welche zur Gestaltung der Spitze führte und damit den Schneidenbereich (unten) absetzt. Rechts zeigt sich ein gerader Trennschlag. Bei gedrehter Handhabe würde die Spitze (oben links) im Handballen aufliegen.

48c: Die steil gekappte Seite gegenüber der Spitze. Die dunklen Bereiche zeigen die sehr starke Krustinationsauflage.

48d: Krustinationsfreie Spitze der Handhalte (oben) und seitliche Stumpfung zum Absatz des Arbeitsbereiches (unten nach rechts verlaufend). Gewicht: 1417 Gramm.

ÜBERLEGUNG ZUR KRUSTINATIONSAUFLAGE:  Interessanterweise haben sowohl mittlerweile bestätigte Artefakte, als auch in der Grauzone befindliche Objekte, eine sehr oft anhaftende sandige Krustinationsauflage (nicht selten nur einseitig!?). Es kann oder muß vielmehr bedeuten (?), die Objekte sind zeitgleich eingebettet worden, gehören also zu einer zusammenhängenden Schichtenbildung die komplett abgetragen wurde. Es scheint, die Objekte waren vollständig mit jener Auflage bedeckt, welche zwischenzeitlich abgetragen, abgeschliffen oder einfach abgeplatzt ist. Könnte man die Originalschicht noch irgendwo auf den Hochplateaus antreffen, würde dies einen günstigen Umstand zu einer zeitlichen Mindest-Korrelation darstellen. Hell patinierte Objekte tragen keine Auflage. die Bildung müßte also zuvor abgeschlossen gewesen sein. Die sandigen Körner dürften Reste eiszeitlicher Winde sein, aber von welcher Eiszeit? Einer darauffolgenden oder vorangegangenen (tertiäre Sande) Kaltzeit? Der Einbettungsablauf dürfte wohl kaum den Entstehungszeitraum der Artefakte bezeugen (der Verrundungsgrad war vollständig abgeschlossen) jedoch zumindest ein Minimalalter setzen. Werden die Sandkörner rein durch Eisenoxyd angebacken? Die hohe Eisenhaltigkeit der Böden ist bekannt und der Abbau hinterließ zahlreiche Spuren der Jahrhunderte. Die bräunliche Färbung des Gesteins selbst dürfte rein auf gelöstes Eisenoxyd zurückzuführen sein. Die helleren Objekte zeigen den Beginn der Oberflächenfärbung entlang erhabener Punkte und Kanten an welchen Wasser abtropft und Oxydanteile hinterlässt (Beispiel: Startseite 1. Bild). Die wenigsten dieser "Rostfahrer" entstammen tatsächlich von Kratzern des Eisenpflugs. Die Anlagerung der Oxyde benötigt  Zeit und kann durchaus als grobes Raster zeitlicher Abfolgen gewärtet werden. Auch auf die Gefahr hin, einzelne Objekte patinieren durch entsprechende Lagerung schneller als weitaus ältere Artefakte, dürfte dieser Umstand bei doch weitgehend einheitlicher Umstände der Bodenverhältnisse, innerhalb des eng begrenzten Fundraumes überwiegend auszuschließen sein.

48e: Deutlich zeigt sich auf dieser Seite die abgeplatzte Krustinationsauflage. Verkittete Mulden, Vertiefungen und stepfractures des flächigen Abbaus werden kenntlich.

48f: Ein verblüffender Angleich zeigt sich mit dem strittigen Objekt (ab Abb. 69h/i) unten. Beide mit mehreren Schlägen links und einem (?) Schlag rechts gekappt. Verdickte Handhalte oben und Schneide unten. Die linke Seitenkappung zeigt sich gut strukturiert auch am Objekt Abb. 92w-5.


49a: An einem möglichen Schaber mit gezackter Schneide zeigt sich die abgeplatzte Krustination. Die Oberfläche wirkt stark angegriffen und angelöst. Feinheiten des Herstellungsprozesses gehen gänzlich verloren. Betrachtet man die am Seitenanfang vorgestellten Biface/Spitzchopper mit rauher Oberfläche (meist verstärkt einseitig, eben wie oft auch die Krustination) erklärt sich diese grob, poröse Oberflächenstruktur durch eine möglicherweise, rückstandslos abgewitterte Krustinationsschicht.

49b: Bei einer Verschiebung der Farbverhältnisse tritt die in Resten vorhandene Krustination als auffüllendes Material (dunklere Flecken) in Erscheinung. Hier zeigt sich die trotz allem glattere Seite. Die Auflagenreste überziehen die stark verrundete Schneidenretusche, kann sich also erst lange nach diesem Prozess der Verrundung angelagert haben.

50: Gewaltiges picartiges Gerät mit gänzlich gleichem Befund


Spitze ist nicht gleich Spitze

Gedrungene, trianguläre (oder/und rautenförmige) Form, beidseitiger Spitzenzuschlag mit meist einer konkaven Seite und einer flachen Arbeitskante (mit stark verrundeter Retusche oder unretuschierter Trennfläche) = Spitzgriffschaber (mit Geradkante, Kurzkante, Bogenkante, Bucht) Abwechselnd werden nun tatsächliche Arbeitsspitzen- und Griffspitzenartefakte vorgestellt:

Die Erkenntisse konnten mittels Einsichtnahme der Fundspektren Battenberg / Schmitshausen / Bliesgau  (Emil Hoffmann) gewonnen werden. Mit Dank für die Genehmigung der Fotoveröffentlichung (Vergleichsstücke) auf meiner website.

51: Trianguläre Abschläge (Dorsalseiten) in Clacton-Technik. Entgegen dem optischen Eindruck handelt es sich bei der Spitzengestalltung um die Griffbereiche (nicht alle) der als Schaber anzusprechenden Artefakte. Diese Variante scheint sich bis zu keilmesserartigen Varianten in Abschlagstechnik weiterzuentwickeln und zeigt dann alle Patinierungserscheinungen und Materialien ohne Krustinationsauflage. Als sozusagen "echte" Geröllgeräte sind jene aus Geröllkappen anzusehen welche auch in anderen Geröllgeräteinventaren ihre Entsprechungen finden.

52: Triangulärer Spitzschaber (Bogengriff-Seitenspitzschaber), Quarzit (5,9 x 6,7 cm) an einem Abschlag (kugeliger Rohkern). Ventralseite links, Dorsalseite rechts. Gegenüber der gestumpften Spitzenseite mit Arbeitskante (rot). Krustinationsauflage beidseitig. Die Spitze zeigt bei genauer Betrachtung eine beidseitige stärkere Einkerbung, die zu einer leichten Absetzung führt. Heckseite (Handhalte) verdickt.

53: Triangulärer Spitzschaber (Bogengriff-Seitenspitzschaber) an einem Abschlag, Quarzit (6,9 x 6,4 cm) Heckbereich mit eventuellem Schlagflächenrest (heller Punkt). Arbeitskante mit verrundetem, welligem, zickzackförmigem Kantenverlauf (rechts).

54a: Spitzgriffschaber mit Buchtkante, Quarzit (6,9 x 7,5 cm). Alle Seiten sind steil gekappt. Die Spitze dient der Handhalte! Die symmetrische Form wird auch durch die beiden schräg gekappten Ecken (oben u. unten) unterstützt. Der buchtförmige Einschnitt findet sich auch an den plattigen Spitzen (weiter unten vorgestellt) und könnte ähnlich verwendet worden sein.

54b: Die letzte Bemerkung verlangte eine sofortige Gegenüberstellung. Die jeweiligen Buchten wirken durch die sofort angrenzende Kappung isoliert und freistehend. Bei schräger Führung dient die untere, unretuschierte Kante als Arbeitsbereich.

54c: Spitzgriff-Buchtschaber in Handhalte.


Das als Bogenschaber bezeichnete Fundobjekt von Schmitshausen/Pfalz (Emil Hoffmann) bezieht seine Bezeichnung aufgrund der ausgearbeiteten, unteren, bogenförmigen (winkelförmigen) Arbeitskante.  Spitzen erscheinen bei den Vergleichsobjekten meist beidseitig gerade und steil gekappt. Eine Ansprache der Arbeitskanten- Handhaltebereiche müsste also individuell betrachtet werden und kann trotz gleicher Grundformen variieren. Interessanterweise zeigen sich in offensichtlich nicht mit eindeutig mittelpaläolitischem Fundgut vermischten Inventaren (Schmitshausen) ebenfalls jene Spitzgriffvarianten, die hier eher einen Bezug zum geschlossener erscheinenden Geröllgerätekomplex vermitteln.


55a: Detailaufnahme einer "Handspitze" (an einem flachen Geröllstück mit Wüstenlackauflage) und der Zurichtung mittels eines Abschlages rechts (leicht konkav) und mehrerer Abschläge links. Quarzit mit Wüstenlack, 10,5 cm. Als chopperartige Handspitzen scheinen nur Geröllstücke und plattige Materialien in Frage zu kommen (die Frage Abschlag oder flaches Geröllstück lässt sich aufgrund der angelösten, verrundeten Oberfläche nicht immer zweifelsfrei beantworten). Zwei formtypologisch angleichbare Formen an Abschlägen zeigen eine komplett andere Verwendung des Spitzenbereiches.


55b: Detailaufnahme der linken, konkaven Spitzenzurichtung an einer "Handspitze".

56a: Detail einer weiteren "Handspitze" hier an einem Abschlag (Gesamtaufnahme-Bild: Mitte rechts). Die Spitzenzurichtung wird in diesem Fall jedoch eine gänzlich andere Verwendung finden.

56b

57a: Die rote Linie markiert den retuschierten geraden, welligen Kantenverlauf (untere Kante). Zwei seitliche Kerben begrenzen die Arbeitskante an beiden Enden (auch an einem weiteren Beispiel zu erkennen).

57b: Die Spitze dient als ideale Handhalte. Der retuschierte Schneidenbereich tritt nach vorne. Die Ansprache als Spitzgriff-Geradschaber scheint hiermit gerechtfertigt.

57c: Die Spitze verschwindet im Handballen bzw. der untere konkave Spitzenbereich liegt exakt am Handballen auf (Spitzgriff-Geradschaber).

57d: Vergleich mit einem Geradschaber/Doppelschaber (325/1B) aus Schmitshausen/Emil Hoffmann. Grauwacke, Abschlag beide Arbeitskannten (in leichtem Winkel) an cleaverartigen Lateralkanten mit Gebrauchsspuren, leichter Wüstenlack (6,4 x 8,5 x 2,2 cm bei  150 g).


58a: Spitzgriff-Kurzkantenschaber an einem Abschlag, Quarzit (10,6 x 9,0 cm). Steiles teilweise gekapptes Heck (links). Die relativ kurze Arbeitskante befindet sich rechts (helle Linie) und bekommt durch den kleinen Bogen zum unretuschierten Bereich eine gewisse Führung.

58b: Anfangs wurde das Gerät als "picartiges Gerät" vorgestellt da die Handhaltefunktion der Spitze (rot) als Arbeitsbereich betrachtet und in seiner tatsächlichen Funktion fehlgedeutet wurde. In den Fundstellen Schmitshausen, Battenberg u.a. (Emil Hoffmann) werden entsprechende Geräte nach ihrer Arbeitskante (Geradschaber, Doppelschaber etc.) benannt. Die eigentlich schon fast abstrakte Denkweise in der Formgebung veranlasste mich den turnus der Arbeitskanten- Ansprache zu verlassen um den Verwendungszweck bei der Namensgebung hinten anzufügen, um die Spitze bereits in der Typenbezeichnung, in ihrer Funktion vorab zu verankern.

58c: Das Gerät bietet eine optimale Handhabe und fügt sich in das Bild der bereits vorgestellten Spitzgriffschaber.

58d: Einseitig zeigt sich die Retusche flacher, gegenüberliegend (Ventralseite) feiner gesetzt.

58e: Die bogenförmige, verdickte Griffseite mit natürlicher Fläche (links unten) und gekappten Rindenabschlägen um die Bogenform zu vervollständigen bzw. abzukürzen. Griffspitze unten, Arbeitskante rechts. Die Abschlagsscheibe entspringt der sog. Salamitechnik, einer scheibchenweise Zerlegung des Rohkerns bzw. Geröllkerns.

Die Spitzen mit einer konkaven Seite implizieren fälschlicherweise gerne die Ansprache als Arbeitsbereich...

59a: Einzig das rechte Objekt scheint ohne Kantenretusche ein "echter" typologisch ansprechbarer Pic oder Spitzchopper zu sein, wenn nicht eine unvollendete Rohform in betracht gezogen werden kann (?)...

59b: Ventralseiten. Das mittlere und linke Objekt muß trotz seiner Spitzenzurichtung als Schaber gewertet werden (1x Spitzgriff-Geradschaber / 1x Spitzgriff-Bogenschaber). Die nachfolgenden Aufnahmen verdeutlichen die Begründung am mittleren Objekt:

59c: Ventralseite (mit geringen Krustinationsresten) und Dorsalseite (mit Resten von Wüstenlack) des Spitzgriffschabers mit entferntem Schlagflächenrest (rechts unten). Die rote Linie markiert den Bereich der retuschierten Arbeitskante gegenüber der verdickten, gewölbten Handhalte. Die gegenüberliegend der stumpfen Spitzenseite befindliche flachere Seite könnte ebenfalls als Arbeitskante gedient haben, somit entspräche das Objekt dem typischen Spitzschaber.

59d: Die Stumpfung zur Spitze hin, darunter beginnt der leicht wellige, retuschierte Verlauf der Arbeitskante.

59e: Leicht gebogene Arbeitskante mit stark verrundeter Retusche. Links zeigt sich der schräg gestellte, entfernte Schlagflächenrest (?), die Spitze befindet sich bei optimaler Handlage unter dem Handballen (Spitzgriff-Bogenschaber).

59f: Aufsicht auf die Spitze mit links liegender grober Stumpfung. Die Spitze zeigt sich glatt. Ventralseite unten. Im Querschnitt erscheint das Objekt  leicht konkav / konkav.

59g: Spitzgriff-Bogenschaber: Durch die gestumpfte Spitzenseite wird die Arbeitskante stark abgehoben, von der Handfläche weg nach vorne versetzt. Bei optimaler Handhalte verschwindet die Spitze im Handballen (entfernter SFR oder Spitzenkappung oben). Die Schräge gegenüber der gestumpften Spitzenseite ist verdickt gewölbt und dient entgegen der optischen Wahrnehmung nicht (nur?) als Arbeitsbereich, sondern ganz im Gegenteil, als quasi zungenförmige Handhalte. Trotz einer ersten Angleichung mit anderen "Spitzen" zeigt eine genaue Betrachtung die zwar optisch erbrachte formtypologische Serie mit jedoch ganz gegensätzlich verlaufender Gebrauchsfunktion.

59h: Der entfernte Schlagflächenrest (oder Spitzenkappung). Die wellige Arbeitskante zeigt sich rechts.  Handelt es sich um eine Spitzenkappung kann die Schlagrichtung von links, gegenüberliegend der Arbeitskante erfolgt sein.

Herstellung des letzten Spitzschabers: Ausgangsmaterial bildet eine gekappte kugelige Knolle (hier die Kappe selbst) A, von welcher ein "sepiaförmiger" Abschlag B erfolgt (von einem polyedrischen Kern entsprechend flachere Formen). Der Schlagflächenrest (oder die zweite Spitze) wird mittels eines schrägen Schlages entfernt C, es entsteht eine flache, stumpfere zweite Spitze. Der Abschlag wird an der Kante retuschiert R und erhält eine Spitzenstumpfung S, welche als zungenförmige Handhalte dient.

60a: Das vorgestellte linke Objekt lässt sich mit einem weiteren (rechts) angleichen. Bei beiden Artefakten dürfte es sich um Geröllkappen des kugeligen Ausgangsmaterials handeln. Gelbe Linien: Stumpfung, schwarze Linien: Arbeitskante, hellblaue Linie: Spitzenstumpfung, SFR, entfernter SFR. Ventral zeigt das rechte Objekt eine starke Krustinationsauflage (unten)

60b: Die gestumpften Spitzenseiten der beiden Artefakte zeigen sich rechts. Links: Die Handhalte mit Arbeitskante und der Querschnitt (plan / konkav) hier möglicherweise als Kappe der ursprünglichen Kugel mit gestumpfter Spitze und gekapptem SFR (Spitze).

60c: Inwieweit die Erhöhungen als materialspezifische Bulben gewertet werden können bleibt offen, kann aber möglicherweise durch Schlagversuche nachvollzogen werden.

Münzenberg (Wetteraukreis) , Protoacheuléen. Einflächig bearbeitete Geröllgeräte.

61a: Harburg / Donau-Ries: Geröllkappe wie in der Zeichnung oben links dargestellt (Hornstein, 8,2 cm) von einer als mittelpaläolithisch bekannten Freilandfundstelle. Das Objekt wurde aus dem Kelleraushub für einen Hausneubau (Anfang 90er Jahre) mit wenigen anderen Objekten geborgen und zeigt sich dunkler, speckiger und leicht verschliffener als die dort üblicherweise auffiindbaren mittelpaläolithischen Kleingeräte.

61b: Harburg / Donau-Ries: Geröllkappe mit Retusche (Hornstein 6,4 cm) aus dem Kelleraushub für einen Hausneubau. Hier an den aufgeschlagenen Bereichen gänzlich gräulich patiniert.

62a: Geröllkappe vom vorgestellten Fundplatz, Quarzit (7,6 cm). Die gewölbte Naturseite und die Trennfläche bilden den Mittelgrat eines chopping-tools.

62b: Der Geröllkappenchopper in Handhalte.

62c: Detailansicht der sich verjüngenden Arbeitskante mit elliptischen Retuschespuren. (Identische Ausführung wie 92-w1 und w2/4).


63a: Eine der "triangulären Spitzen" mit beidseitig steilem Zuschlag (Clacton-Technik) zur Spitze. Interessant: Die leicht auf der Fläche abgesetzte Spitze, quasi leicht pyramidal. Nach Vergleichen mit anderen Fundkomplexen entpuppt sich auch diese Spitze als Handhalte. Die stark verrundeten Arbeitskantenbereiche verhinderten eine Ansprache als Spitzgriffschaber mit (hier) gerader Schabekante (Spitzgriff-Geradschaber).

63b: Die konkave (rot) Spitzenseite liegt auf dem Handballen. Nach vorne setzt sich die gerade Arbeitskante ab. Der leicht wellige Kantenverlauf wird hierbei noch sichtbar. Der Bogen bis zur gegenüberliegenden Spitzenseite zeigt sich steil gestumpft (siehe auch Bild oben).

63c: Die Mulde als perfekte Daumenablage.

63d: Ventralseite des Abschlags mit Arbeitskante (helle Linie) und konkaver Spitzenseite mit Resten der Krustinationsauflage. Die Abtragung der Krustination, gerade auch am Arbeitskantenbereich, verwischt neben Verwitterung und Anlösung die Konturen der Retuschen. Weiter unten vorgestellte gleichförmige Artefakte zeigen bei besserem Erhaltungszustand keine Krustinationsauflage. Ist diese Typologie geschlossen in ein Mittelpaläolithikum zu stellen oder stellt es eine traditionsbedingt weit zurückreichende Artefaktvariante dar? Es zeigen sich keine Abschlagnegative von Vorgängerabschlägen wie bei den ab Abbildung 66a gezeigten Gerätschaften.

63e: Die beidseitig noch angeschrägte Arbeitskante zeigt die verwischten, welligen Konturen.


64a: Spitzgriffbogenschaber an einem Abschlag, Quarzit (7,8 x 6,6 cm), Ventralseite.

64b: Dorsalseite


64c: Die Stumpfung zur leicht abgesetzten Spitze hin.

64d: Anfangs wurde auch an diesem Objekt die Spitze als Arbeitsbereich vorgestellt. Als Handhalte und bei Betrachtung der bogenförmigen Arbeitskannte ergiebt sich jedoch ein anderes Bild.

64e: Die bogenförmige Arbeitskante zeigt sich hier steil mit Retuscheresten an der unteren Kante.

64f: Der gestumpfte Bereich liegt auf dem Daumenballen. Der wellige Kantenverlauf zeigt sich deutlich. In dieser Betrachtungsweise erhält die nachfolgende Vermutung etwas mehr Sinn...

64g: Die geradezu phallisch wirkende Griffspitze wird mittels einer Rille abgesetzt (siehe auch am zuvor dargestellten Spitzgriff-Geradschaber). Könnte hier eine ehemalige Tiersehnenwicklung als  Aufhängevorrichtung angebracht worden sein ? Wichtige Kleingeräte könnten so an Kleidungselemten o.ä. befestigt gewesen sein.

 

65a: Spitzgriff-Geradschaber (leicht gewölbte Arbeitskante) an einem Abschlag, Quarzit (8,2 x 7,2 cm) Die helle Linie markiert die Arbeitskante. Mit der Mittelkante entspricht es bereits einem breiten Klingenabschlag und erinnert an die Micoquienspitzen der Startseite.

65b: Spitzgriff-Geradschaber in Handhalte, Arbeitskante an heller Linie, alle übrigen Seiten gestumpft.


66a: Zuvor dargestellter (rechts) und nachfolgend gezeigter Spitzgriff-Geradschaber (links).  Beide zeigen eine leichte Wölbung der Arbeitskante.


66b: Spitzgriff-Geradkantenschaber an einem Abschlag oder plattigen Naturstück (?), Quarzit (10,3 x 8,8 cm). Hier setzt die konkave Spitzenseite die Geradkante nach vorne von der Handfläche ab. der Heckwinkel im Hand- Fingerbereich ist steil gekappt (2,3 cm dick). Die eigentliche Schneide wird an den Enden durch jeweils eine Kerbe begrenzt.

66c: Gegenüberliegende Artefaktseite, Arbeitskante rechts.

66d: Detailaufnahme der welligen, steil retuschierten Arbeitskante mit den beiden Begrenzungskerben.

Hier wurden verschiedene Schabertypen nach ihrer Arbeitskante ausgerichtet. Es zeigt sich die variable Ausrichtung der Griffspitze. Die Geräte zeigen sich in allen Quarzitvarietäten und als Bogenschaber auch aus Hornstein (unten links).

Die Griffhalte scheint es bereits vorwegzunehmen und legt die Ansprache als Keilmesser nahe. Hier ein Beispiel in der hellen Patinierung. Vermutlich ist diese Gerätevariante in ein möglicherweise bereits spätes Mittelpaläolithikum zu setzen.


Ein aufgefundenes Artefaktstück mit eingekerbter Spitze und welligem Schneidenverlauf zeigt...

...bei entsprechender Handhalte die Funktion der sich absetzenden Schneide. Ein Angleich mit Abbildung 71 scheint nicht ungerechtfertigt.


Drei angleichbare  Artefakte.

67a: Zwei spitzförmige Artefakte (links u. nächste Abb.) implizieren hier die  mögliche Ansprache zur Handspitzentypologie. Es zeigt sich am hier abgebildeten Objekt ein welliger, seitlicher Kantenverlauf und die seitlich, steil abgetrennte Fläche (schräg axial gespaltenes Geröll) zur Spitze. Quarzit, 8,9 cm.

67b: Eine weitere "Handspitze"  zeigt die wulstige, natürliche Rindenseite und flächige Abschläge auf der gegenüberliegenden Fläche mit seitlicher Kappung (facettiert) zur Spitze. Hier wird deutlich eine weitgehend naturgegebene Form zum Ausgangsgedanken einer nur leicht zu modifizierenden Endform (Quarzit, 8,1 cm). 

67c: Letztes Objekt zeigt eine kleine Bucht gegenüberliegend der seitlich gekappten (helle Linie) Spitze. Hier dürfte die eigentliche Arbeitskante anzusetzen sein. Die Spitze dient der Handhaltung (Spitzgriff-Buchtschaber).

67d: Das zuerst vorgestellte Objekt bietet mit der im Handballen befindlichen Spitze eine Handhalte (Spitzgriff-Schaber) zum Gebrauch der welligen Arbeitskante. Störend bleibt die gewölbte Seite unten, daher scheint in diesem Fall...

67e: ...die umgekehrte Handhabe als günstiger. Die gewölbte Seite befindet sich oben und mittels der flachen Artefaktseite ist ein Aufsetzen flächig möglich. Die gebogene Heckseite zeigt sich mittels dreier Schläge gestumpft (rote Linie) und bildet dadurch eine günstige Lage im Handballen (wie bei Faustkeilen). Die seitliche konkave Trennfläche befindet sich jetzt oben und bildet quasi eine Weiterführung des Stumpfungsbereichs. Die Ansprache erfolgt nun als Bogengriff-Bogenschaber. Mit seiner Spitze, dem geknickten Handhalterücken und der hier in der Abbildung links befindlichen Arbeitskante erfüllt es jedoch auch die Merkmale eines Protobifaces.

67f: Detail der stark verrundeten, welligen Arbeitskante.

68a: Angleichende Form mit 67a in gleicher Handhabe und Ausführung, Quarzitbrekzie (9,0 cm). Der konkave Abschlag (obere Hälfte zur Bildmitte hin) dient der Auflage auf den Daumenballen oder in umgekehrter Handlage als Fingerablage. Insgesamt zeigt sich die Formgebung mit geknicktem Rücken und bogenförmiger Schneide.

68b: Retuscheverlauf an der bogenförmigen Arbeitskante im Bereich der härteren Quarzitvariante. Die Arbeitskante steht über dem qualitativ schlechteren Quarzit hervor.

68c: Ein weiteres angleichbares Artefaktstück (links) mit 12,4 cm zeigt sich in der hellen Patinierungsvariante (!) und lang schmal ausgeführt. Alle drei Objekte dürften als keilmesserartig anzusehen und ebenso in ihrer Handhalte geführt worden sein. Es dürfte sich wohl bereits um mittelpaläolithische in der Keilmessertradition befindliche Artefakte handeln.

68d: Im Heckbereich zeigen alle drei vorgestellten Artefakte eine angleichende Stumpfung.

68e: Der obere Bereich der bogenförmig in die Gerade übergehenden Arbeitskante zeigt bei entsprechender Beleuchtung die Retuschestrukturen.

68f: Die Schläge wirken direkt auf die Kante gesetzt.

68g: Münzenberg: Chopper (13,5 cm) aus massivem Breitabschlag (Typ: 1,8 Unifazialer Diagonalabschlag, unifazialer Protofaustkeil). Hier bildet der Bogen die Handhalte und der konkave Abschlag zur Spitze fehlt. Die eigentliche Schneide zeigt sich wieder konvex.

69a: Facettierter Dorngriffschaber (Überarbeiteter Chopping-tool bis zum Heckbereich) mit seitlicher Kerbe am Arbeitskantenbereich (siehe unter Chopper, mit identischen Vergleichsstücken), Quarzit (9,0 cm).

69b: Natürlicher Rücken oben im Handhaltebeich. Der facettierte Dorn (auch als Naturknubbe) findet sich bei weiteren vergleichbaren Artefakten. In der Rubrik Chopper (ab Abb. 102a) werden zwei weitere Artefakte dieser Variante vorgestellt. Der Übergang vom Chopping-tool zu diesem bis zum Heck überarbeitetn Gerät scheint gegeben.

69c: Detail der Arbeitskante.

69e: Die perfekte Handhalte ergiebt sich an diesem Artefakt bei linkshändischem Gebrauch.

69f: Am linken Schneidenende zeigt sich der abgrenzende Kantenschlag im leicht rötlichen Bereich.

69g: Die facettierte, dornartige Handhalte mit Cortexrest oben. Diese Artefaktvariante ist in allen Herstellungsstadien auffindbar und zeigt grundsätzlich den Herstellungsbeginn an der Handhalte. Die Bearbeitung der Arbeitskante erfolgte im letzten Schritt.


69h: Ein schwer ansprechbares Objekt zeigt starke Verrundungserscheinungen und würde als Artefakt weitgehend Ablehnung erfahren. Es zeigt sich ein steiles winkelförmiges Heck (helle Linie) im Bildbereich oben. Die Arbeitskante würde sich mittelkantig als Chopping-tool anbieten. Der verblüffendste Wiedererkennungswert zeigt sich an der Schneidenkante in Form des mit mehreren Schlägen aufgezeigten Kantenschlags (rot) . Krustinationsreste zeigen sich rechts am Objekt zum Heck hin.

69i: Ein bisher von mir stark angezweifeltes "Artefaktstück" zeigt die eigentliche Zurichtung der Arbeitskante in der Chopping-tool Manier. Links würde sich der entsprechende Kantenschlag zeigen. Das Objekt zeigt sich am Heck gewinkelt und steil gestumpft. Quarzitgeröll (?) (11,7 cm bei 1042 g). Würde die Vermutung zutreffen, dürften Artefakte bis zur absoluten Unkenntlichkeit vorhanden sein und den Übergang zum tatsächlichen Naturstück überschritten haben. Es wären trotz allem Artefakte, als solche jedoch niemals mehr zu deffinieren. Vielleicht ergeben sich zukünftlich Messmethoden und feinstrukturelle Einsichten (Schlagschockmuster im Inneren des Gesteins) welche Artifizialität als Formgebung identifiziert. Die Möglichkeiten werden in 50 oder 100 Jahren andere sein und zusammenhängendes Material (eines Fundpunktes) liefert dann sicherlich Aufschluß über die Angleichung oder Abspalltung zum bereits anerkannten Material.

69j: Seitenbereich hinter dem Kantenschlag.

69k: Detail der Schneidenkante mit angefügtem Kantenschlag rechts. Die Verrundungen sind extrem und Grate nur noch leicht erhaben. Alle möglichen Abschläge zeigen sich leicht muldenförmig (im Gegensatz zu Windkantern). Die Reste der Abschlagsflächen zeigen sich noch als grob strukturierte Pünktchen an den Muldenbasen, dort scheint der Abschliff nicht ganz vollständig gewirkt zu haben.

69l: Der Kantenschlag befindet sich hier links. Die rechte, steile Seite bildet bereits den nach hinten winkelig zulaufenden Handhaltebereich.

69m: Der Schneidenbereich mit einer kleinen Mulde (rechts u. etwas links nach der Mitte) und kurzen, länglichen Furchen von der Kante (als einziges Merkmal an dieser Kante) wegführend nach unten. Vielleicht die überschliffenen Reste einstiger Benutzungsspuren?

69n: Der winkelige, steile Heckbereich. Ein verblüffender Angleich könnte mit Abb. 48 erfolgen.

70a: An den drei Objekten zeigt sich jeweils die angelegte konkave Handhalte bei noch unausgearbeiteter Schneide. Fertiggestellt hätten wir es möglicherweise mit einem Bogen- (rechts) einem Geradschaber (links) und einem Kurzkantenschaber (mitte) zu tun (Quarzit, linkes Objekt etwa 11,0 cm). Bei genauerer Betrachtung zeigt das mittlere Objekt eine Besonderheit und könnte eventuell als fertiges Werkzeug betrachtet werden...

70b: Die seitlichen Kappungen am mittleren Objekt (rot) grenzen die Kurzkante ab, welche sich vielleicht auch schon leicht retuschiert oder mit einer kleinen Bucht versehen zeigt (Vergleich mit Abb.54 Seitenkappung an einem Buchtschaber).

70c: Detailaufnahme der kleinen "Buchtung".


71a: Handspitzenartig wirkendes Artefaktstück (Dorngriffbogenschaber) an einem Abschlag (Dorsalseite), Quarzit, 12,5 cm. Die hier ausgeführte Spitzenzurichtung zeigt die gleiche Zurichtung wie an zuvor dargestelltem Objekt mit natürlicher Rinde. Das Artefaktstück zeigt sich relativ  Kantenscharf bei geringerer Patinierung mit Krustinationsresten (feinsandig). Es könnte aber auch ganz einfach als mittelpaläolithisches Keilmesserform angesprochen werden.

71b: Ventralansicht mit facettierter Spitze (rechts), gestumpfter Seite unten und flacher, wellig erscheinender, bogenförmiger Arbeitskante oben. Ein hellerer Patinierungsabschnitt zeigt sich oben am Rand der Spitze bis zum Bogen.

71c: Ansicht der facettierten Spitze. Vielleicht zeigt die hellere, linke Seite eine Nacharbeit mit geringerer Verrundung und entsprechendem zeitlichem Abstand zum Ursprungswerkzeug.

71d: Die optimale Handlage offenbart sich auch hier bei Ablage der facettierten Spitze auf den Handballen. Der gebogene, retuschierte Bereich liegt als Schabekante nach vorne gerichtet. Der steil gestumpfte Rücken liegt im Fingerbereich.

71e: Detail der Arbeitskante. Die Ansprache würde hier als Dorngriff-Bogenschaber (in einziger Version an einem groben Abschlag) erfolgen. Man dürfte generell auch von einer Keilmesservariante ausgehen.

71f: Die hellere Patinierung an der seitlich facettierten Spitze (rechts)und die beiden helleren, durch Benutzung entstandenen Buchten bezeugen möglicherweise eine weitere Verwendung in jüngerer, vielleicht spät mittelpaläolithischer Zeit. Hierzu erfolgte eine gänzlich andere Handhalte (nächstes Bild). Man könnte meinen, die eigentlich erdachte Dorngriff-Handhabe geriet in Vergessenheit und wird in eine andere Handhabe umgewandelt.

71g: Vorauszusetzende Handhabe zur Entstehung der helleren Gebrauchsretuschen / Buchten. Die eigentliche, ursprüngliche Arbeitskante befindet sich rechts.

Spitzgriffschaber zeigen sich an Abschlägen und Naturplatten. Dorngriffschaber mit facettiertem oder auch naturgegebenem Dorn zeigen sich überwiegend an Geröllen, Scheiben der Salamitechnik bzw. groben, unförmigen Abschlägen. Die Handhabe geht bis in den Typologiebereich der Chopper (Chopping-tools) und wird dort an einem Beispiel nochmals (weiter unten) aufgezeigt. Es nildet sich der formtypologische Weg zu Keilmesserformen.

72a: Doppelspitz (griff)-Kurzkantenschaber (-Buchtschaber) an einem Abschlag (Dorsalseite), Quarzit mit Übergang zum Hornstein (12,9 cm), wohl schon Mittelpaläolithikum.

72b: Ventralseite mit Quarzit (unten) und festerem Hornstein im Arbeitskantenbereich. Rechts: Cortexreste.


73a: Eine "echte" Spitze zeigt sich an diesem Artefaktstück. Allseitig gestumpft befindet sich gegenüberliegend des geraden Spitzenzuschlages der altbekannte konkave Seitenzuschlag zur Spitze hin. Flaches Quarzitgeröllstück (kein Abschlag )  mit 8,7 cm. Die Technik der Spitzengestalltung bietet sich offensichtlich für Handhalte und tatsächlicher Arbeitsspitze an. Der konkave Bogenschlag bildet eine stabilere Arbeitsspitze. Die Erkenntnis des entlastenden Bogens ist also entweder eine Eingebung die rein auf den Verdünnungswunsch der Spitze beruht und zu einer zufälligen Assoziation verführt, könnte aber auch auf Beobachtungsgabe und der Erkenntnis der tatsächlich Stabilisation der Spitze beruhen. Nach der Münzenberger Typebtabelle würde es dem Typ 1,3 Unifaziale einfache Spitze entsprechen. Obwohl sich die Tabelle an Geröllen in kugeliger Form orientiert müssen in diesem Fall auch flache Naturplatten in das Geröllschema gesetzt werden.

73b: Bifaciale einface Spitze Typ II,3 nach der Münzenberger Aufstellung (Biberso II,9),  Quarzit etwa7,7 cm. Heckseite gekappt.

73c Vergleich: Langovales Geröll hochaxial gespalten wie Schlagpunkt, Bulbus und Absplißfläche erkennen lassen. Daraufhin ist der gegenüberliegende Geröllkopf mit fast nachzählbaren Hieben zu einer hier exzentrisch gelagerten Spitze ausgearbeitet worden. Unserer Typenbestimmung entsprechend handelt es sich also um ein Bifazialgerät. Schlagmarken lassen auf mögliche Differenzen zwischen Planung Ausführung schließen (Geröllgeräte-Industrie der Münzenberger Gruppe in Oberhessen, etwa 7,0 cm)


74a: Handspitze (pfriemartig / "Protopfriem") an einem Abschlag, Quarzit (11,0 x 5,7 cm). Hier bildet die einseitig konkave Spitzenseite tatsächlich die Arbeitsspitze und keine Handhalte. Der einzigartige Umstand der geringen Patinierung ermöglicht in diesem Fall einen detaillierteren Einblick. Ob entsprechendes Objekt aufgrund der fehlenden dunklen Patinierung bereits in ein Mittelpaläolithikum zu setzen ist bleibt ungewiss. Vielleicht tritt hier der Aspekt einer nicht immer einheitlich geschlossenen Patinierungseinteilung in kraft. Die Kantenverrundung erscheint zudem deutlich geringer als an zuvor dargestellter Handspitze !?

74b: Die pickartige Vertiefung auf der Dorsalseite zeigt eine kleine mögliche Schlagnarbe am rechten Rand. Hier bietet die Vertiefung wie auch an einigen anderen Artefakten (siehe zuvor dargestellte Handspitze) eine optimale Handhabe des Artefaktes (in diesem Fall durch eindeutig rechtshändischen Gebrauch). Deutlich werden die Bruchkanten der Spitzenzurichtung erkennbar. Ein wenig erinnert das Objekt mit seiner geraderen Seite an das weiter unten vorgestellte pfriemartige Artefaktstück (zusammen mit messerartiger Doppelspitze). Findet sich dort eine mögliche Weiterentwicklung?

74c: Ventralseite des Spitzenabschlages mit allseitig steil geführten Abschlägen und entsprechend gekapptem Heck. Verbüffenderweise zeigt sich auch hier der immer wieder angesprochene einseitig konkave Spitzenzuschlag, welcher wie so oft aus einem einzigen Trennschlag besteht. Die geradere Seite zeigt feinere nachgesetzte Abschläge (leicht welliger Kantenverlauf unten). Die Abrissstruktur des ehemaligen Abschlages zeigt sich in Resten auf der Ventralseite.

74d: Detail der Artefaktspitze mit feiner nachgesetzter, einseitiger Retusche.

74e: Bei angewendeter Farbverschiebung zeigt sich die Bruchfläche mit der Mulde in gleicher Abrissstruktur.

74 Vergleich:  Das als 664 A bezeichnete Fundobjekt "Rohstück" (für einen Schaber?) aus der Sammlung Battenberg, Emil Hoffmann. Bei Handhabung als Schaber/Messer würde sich die rechte Mulde als Daumenablage anbieten (Linkshänder?).


75: Handspitzenartiges Gerät ("Protopfriem") an einem mehrseitig gekapptem Geröllstück, Quarzit (8,3 cm).


Clacton-Technik: An einem plattigen Rohstück oder größeren Abschlag (A: Mit Schlagnarbe, Bulbus, Abrisslinien etc.) werden die Seiten mittels Unterlage (Amboss) gekappt (C u. D: Schlagpunkte). Präparationsmerkmale und Schlagnarben verschwinden mit den abgetrennten Bruchstücken und die eigentliche Spitze (rot) weist keinerlei Abschlagsmerkmale mehr auf. Einzig mögliche Abrisstrukturen verbleiben als Rest (B) auf dem eigentlichen Artefakt (hier handspitzenartig). Dies erklärt die zwar rauhe (Abrisstruktur) Ventralseite jedoch meist ohne Schlagpunkt oder Schlagflächenrest. Für die konkave Spitzenseite (links) dürfte der Schlag anderst als angezeichnet gesetzt worden sein.

Abgekappte Eckstücke (Dreiecke, rechts oben: 10,6 cm) wie diese bei der Formgebung zum Rhomboiden anfallen. Hier an ein rautenförmiges, plattiges Artefakt mit gezackter Schneide angelegt.


Methoden der Geröllzerlegung: 1a freier Schlag, 1b auf Amboß, 2 vertikale Zerlegung auf Amboß, 3 Amboß-Bruch.

3- Werfen von Geröllen mit großer Kraft gegen einen Amboßstein. Ein solches Werfen ist notwendig, um einen ersten Bruch an dicken massiven Geröllen zu erzeugen, die keine abgeflachten Stellen für eine Schlagfläche aufweisen. Bei flachen dünnen Geröllen können beim Aufprall auf dem Amboß Abschläge entstehen, die eine ebene Ventralfläche mit keinem oder wenig ausgeprägtem Bulbus zeigen.

Vertikales Schlagen auf einen Amboß. Durch das Halten in der Hand und den mit großer Kraft geführten Schlag läßt sich eine kontrollierte Zerlegung vornehmen. Ein solcher Schlag führt entweder zu einer longitudinalen Spaltung des Gerölls in zwei Hälften oder zum Abtrennen von Abschlägen. Diese wiederum weisen die gleichen Charakteristika wie die beim Wurf entstandenen mit flacher Ventralfläche ohne Bulbus auf. Wegen des vertikalen Schlagvorgangs ist eine Unterscheidung von solchen "Grundformen" schwierig, die beim Benutzen eines Gerölls als Schlagstein entstehen.

1b- Direkter Schlag mit der Geröllkante auf einen Amboß. Bei diesem schräg geführten Schlag resultieren normale Abschläge mit konvexer Ventralfläche und Bulbus, der je nach Rohmaterial mehr oder weniger gut ausgeprägt sein kann.

1a- Direkter harter Schlag mit einem Schlagstein auf die Kante des Gerölls. Auch hierbei entstehen normale Abschläge.

2- Bipolare Zerlegung. Durch Aufsetzten auf einen Amboß und direktem Schlag mit einem Schlagstein werden an beiden Enden Beschädigungen bzw. Abhebungen hervorgerufen: Oft ist das Ende auf das geschlagen wird, nur mit kurzen Aussplitterungen bzw. zerbrochenen Oberflächen bei wiederholtem Schlag infolge der steckengebliebenen Hertzschen Kegel versehen, während an den anderen längere Abhebungen infolge der Reflektion des Schlagimpulses vom Amboß aus entstehen. Die Merkmale an den Abschlägen, die durch die bipolare Technik entstehen, sind von H.KOBAYASHI (1975) beschrieben worden. Die bipolare Technik erzeugt flache Abschläge mit ebener Ventralfläche, gewöhnlich ohen hervortretenden Bulbus und ohne Schlagflächenrest. Dadurch sind diese besonders für Schäftungen geeignet (s. White 1968 als ethnographische Quelle).

1b- Erzeugen von S-Brüchen. Diese werden durch das Schlagen eines Gerölls auf einen Amboß hergestellt, wobei aber nicht auf eine Kante sondern auf einen Teil der Fläche schräg aufgetroffen wird. Die dadurch erzeugte Bruchfläche weist einen wellen- oder s-förmigen Verlauf auf.

Während sich die obigen Unterscheidungen vor allem an Kernen machen lassen, sind die entsprechenden Merkmale an den resultierenden Abschlägen weniger diagnostisch. Hierbei lassen sich nur differenzieren:

gewöhnliche Abschläge mit konvexer Ventralfläche und ausgeprägtem Schlagflächenrest und je nach Rohmaterial auch mit Bulbus.

Flache Abschläge, die aus dem vertikalen Schlag oder der bipolaren Technik resultieren. Sie sind durch eine flache Ventralfläche, einen punktförmigen Schlagflächenrest, oft zersplitterten Hertzschen kegel und einem kaum ausgeprägtem oder fehlenden Bulbus gekennzeichnet.


Thema: Zerlegetechnik, Spaltung von Geröllen

Abtrennen der Kappe eines Quarzgerölls auf einem keilförmigen Amboß im Experiment. Aus: "Die Zerlegung von Quarzgeröllen am Magdalénien-Fundplatz Mirande, Gem. Nègrepelisse (Tarn-et-Garonne, Frankreich) von Gerhard Bosinski und Robert Guicharnaud. Es gelang durch das experimentelle Nachschlagen exakt jene aufgefundenen Artefakte vom Ausgrabungsfundplatz Mirande nachzufertigen. Alle verwendeten Geräte zur Produktion waren am Fundort nachzuweisen.

Bruchfläche am Quarzgeröll und an der Kappe. Angepasste Kappe am Quarzitkörper unten.

Abgetrennte dicke Geröllscheiben (Kappen) und Mittelstück (experimentelle Herstellung).

76a: Zwei Mittelstücke beidseitig gekappt belegen exakt jene Vorgehensweise (Der erste Schritt zur sog. Salamitechnik). Die Bereiche zwischen Natur- und Trennfläche gleichen sich mehr und mehr an.

76b: Die Trennflächen des Mittelstücks oben rechts (links etwa 8,5 cm).

76c: Nur schlecht ist fototechnisch das Schlagauge am Randbereich der Trennfläche darzustellen. Umgeben ist die Narbe von Mulden (noch leicht bis in die rechte untere Bildecke zu erkennen), Kerben (leicht erkennbar rechts neben der Narbe, quer zur Kante) und Abriss-Spuren. Im Vergleich zu den experimentell (dort auch Quarz) hergestellten Scheiben sind die Oberflächen hier stark verrundet. Das Schlagauge befindet sich an einer leicht überkannteten (facettierten) Randzone.

76d: Ternnfläche mit Schlagauge am überkannteten Randbereich. Man könnte meinen, eine zuvor angelegte Spalte und ein dann angesetztes Zwischenstück könnten zum Einsatz gekommen sein (?).

76e: Lage des Schlagauges. Vielleicht auch an einer natürlichen Kluftfläche (?). Im gegensatz zum experimentellen Beispiel erfolgte der Schlag auf die Breiteseite und nicht auf die gebogenen Schmalenden. Schlagaugen stellen auf Quarzit ein seltenes Detail dar und sind typisch für die Clactontechnik (an Feuerstein bei dieser Technik entsprechend häufig zu finden). 

76f: Verschiedene Scheiben und Endstücke (nicht zusammengehörig). Ausgangsmaterial waren hier eher unförmige, flachere, fladenartige Gerölle. Es zeigen sich an den Naturformen die hier lediglich gespalten erscheinen bereits zapfenartige, dornartige Vorsprünge welche zu Handhalten umfunktioniert werden können. Bereits in diesem Stadium sind Spitzgriff- bzw. Dorngriff- und Chopping-tool-  Formen erahnbar.


Plattige "Spitzen", Rhomboide...

77a:  Zwei plattige Naturstücke (Quarzit, 9,8 cm) in identischer Ausführung. Die abgesetzte Schräge bietet eine stumpfe leicht gebuchtete Schneide. Gegenüberliegend die bogenförmige Hanhalte mit Spitze (oben) und gekapptem Ende gegenüberliegend (unten). Spitzgriff-Buchtschschaber.

77b: Ausgehend von der Buchtlage unten ergibt sich die Spitzenablage im Handballen. Der Finger liegt auf dem gekappten Ende.

77c: Am kleineren Buchtschaber  liegt das gekappte Ende am Daumenballen auf. Die Spitze wird mit dem Finger umgriffen.

77d: Die gestumpften Seiten der beiden Buchschaber zeigen sich rot angezeichnet, beide Buchten links.

77e: Die beiden vorgestellten Buchtschaber (links) im Vergleich zu einer anderen Version (Abb. 54,a,b,c) mit Spitzgriffhalte (Buchten rot angezeichnet).

78: Immer wieder sind plattige, rhomboidartige Abschläge oder Trümmerstücke zu finden, welche beidseitige Spitzenzurichtungen aufweisen. Anfangs unbemerkt, viel mir die zunehmend hohe Anzahl an den Schlagplätzen auf und eine serielle Erstellung zeigt Gleichartiges.

79: Kleine rhomboidartige Spitze an einem plattigen Geröllstück mit nur einem seitlichen Abschlag. Eher unauffällig tritt das Objekt nur im kontext mit den Vergleichsstücken ins Blickfeld.

80a: Der Neufund von 2011 (Quarzit 9,2cm), verdeutlicht nochmals die Handhalte der plattigen Stücke am spitzen Winkel. Ich würde entsprechendes Objekt als Spitzgriff-Bogenschaber bezeichnen. Er zeigt die Verwandtschaft zu den rautenförmigen Rhomboiden und Spitzgriffschabern. Typisch erscheinen wieder die seitlichen Kappungen (rot) zum absetzen der Schneide.

80b: Detailaufnahme (Farbverschiebung) des eher etwas steiler retuschierten Bogens.

80c: Verschiedene Spitzgriff-Bogenschaber. Der Neufund mit geraden Griffseiten und zwei weitere Spitzgriffschaber mit je einseitig konkaver Seite (Handballenauflage).

80d: Detail der steileren Bogenretusche


81: Links: Facettierte Spitze mit gekapptem Heck oder Arbeitskante (?)!!! (9,9 x 8,4 cm) an einem plattigen Abschlag (Proto-Levallois). Rechts: Zwei Handspitzen aus Kalkfels (hell, 8,7 x 6,5 cm mit konkaver, rechter Seite) und Hornstein mit jeweils zungenförmiger (nach hinten/unten sich verdünnender) Handhalte. Beide zeigen sich im Vergleich zu den gröberen, verrundeten Spitzgriff- Bogengriffschabern deutlich weiterentwickelt und dürften in einen mittelpaläolithischen Abschnitt zu stellen sein. Hier sind die Spitzen bzw. Spitzenseiten tatsächliche Arbeitsbereiche. Man könnte diese Artefakte als "Zungengriff-Spitzschaber" ansprechen.

Vergleich: Facettierte Spitze von Battenberg (Emil Hoffmann), hier als Cleaver bezeichnet (aufgrund der zugerichteten unteren Geraden, die Spitze diente als Handhalte).

Dorsal und Ventralzeichnung der Spitze von Battenberg.


Levallois-Spitzen, Technik-Wandel im Moustérien.     Mit der hier entwickelten Abschlagtechnik verlassen wir auch augenscheinlich den Geröllgeräte-Komplex zunehmend...

Eine große Verwechlungsgefahr besteht zwischen Levallois-Spitzen und Abschlägen von diskoiden Kernen. Die abgebildeten Spitzen sind teilweise oder überwiegend der letzteren Kategorie zuzuordnen. Es wird demnächst näher darauf eingegangen...

82a: Die Levallois-Spitzen (benannt nach der Fundstelle Levallois-Perret, heute ein Stadtteil von Paris, Frankreich) werden gänzlich anderst gefertigt. Der vorpräparierte Schildkern gibt mittels eines Zielabschlages die oberflächlich vorbegrenzte Spitze (Abschlag) frei. Oft mit Mittelkante und schräg gestellten Seiten unterscheidet sich diese Spitze deutlich von den in Clacton-Technik (steil gekappte Seiten) hergestellten diversen "Sptzen". Die Abschlagtechnik entwickelte sich bereits im Acheuléen (Proto-Levallois) aus der schon im Oldowan auftretenden Clacton-Technik. Die moustérienzeitlichen Spitzen zeigen sich ausnahmslos in hell patiniertem oder leicht "angedunkeltem" Zustand relativ kantenscharf. Die Spitzen oben und ganz links zeigen eventuell den Beginn der echten Levallois-Technik und sind leicht dunkler patiniert.

Auch wenn die echte Levalloistechnik aus der Technik der diskoiden Kerne hervorgegangen sein dürfte, so bestehen dennoch Unterschiede. Abschläge der Levalloistechnik haben schmale Schlagflächenreste und Schlagwinkel zwischen 90 und 105 Grad; Abschläge von diskoiden Kernen haben breitere Schlagflächen und Schlagwinkel zwischen 100 und 120 Grad. Es steht fest, daß die Enstehung und Nutzung der diskoiden Kerntechnik sehr viel älter als die spezielle Levalloistechnik ist. Die ältere Abschlagtechnik war aber nicht aufgegeben worden, als die Levalloistechnik ihre Verbreitung gefunden hatte. Diskoide Kerne und entsprechende Abschläge sind allein kein Nachweis des Altpaläolithikums; die Levalloistechnik ist aber immer ein Nachweis des Mittelpaläolithikums.

82b: Dorsal facettiert zeigt sich die "echte" Levallois-Spitze mit sich aufteilender Mittelkante wie  diese schon im Jungacheuléen voll ausgeprägt war.

82c: Die einfachere Levallois-Spitze: Lediglich beidseitig verlaufende Negativbahnen begrenzen den Zielabschlag. Die Mittelkante durchzieht nicht das gesamte Objekt.

82d: Durchgehende Mittelkante an einer Levallois-Spitze.

Links: Schildkern mit Levallois-Zielabschlag (Spitze) die bereits überarbeitet und wieder an den Kern angepasst wurde. Darunter: Beispiel für eine Levallois-Spitze. Rechts: Ein Spitzenkern (Moustérien) zeigt die Bahnen für Levallois-Spitzen-Abschläge meist kleinerer Varianten, es ist der Weg zur echten Klingenproduktion bis ins Neolithikum.

Eine Animation verdeutlicht die Herstellung einer Levallois-Spitze:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Levallois_Point-Animation.gif

Eine Animation für einen Levallois-Zielabschlag zur Faustkeilherstellung (Beispiel), an einem vorpräparierten Schildkern:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Levallois_Preferencial-Animation.gif

Die verschwenderische Levallois-Technik in einem eindrucksvollen Film. Schildkernpräparation und Zielabschlag einer Levallois-Spitze auf der homepage von ginellames.fr  (Film: Debitage de silex, taille d´outils)

http://www.ginellames.fr/fr/images_videos/videos.php?theme=silex


Beispiel für optimierte Handhaltung

83a: Kleine Handspitze (Zinken), Quarzit (9,5 x 5,4 cm), Dorsalseite. Die Spitze (rechts) zeigt eine retuschierte Absetzung durch einen leichten konkaven Knick. Eine abgeschrägte Handhalte zeigt sich links, (Mittelpaläolithikum).

83b: Dorsalseite der Handspitze mit zweifach gesetzten Retuscheabschlägen am Spitzenbereich (keine Clacton-Technik). Es entsteht auch hier die einseitig konkave Spitzenseite, welche sich zur Stichelbahn (von der Spitze aus geführter Abschlag) spätestens im Jungpaläolithikum  entwickelt. Der geschwungene, dornartige Fortsatz mit einer rechtsliegenden Breitseite (zur Daumenballen-Ablage) zeigt sich links treppenartig angeschrägt. Formtypologisch scheint es mit den Keilmessern eines späten Mittelpaläolithikums verwandt.

83c: Bei optimaler Handhalte liegt die Schräge im Handballen unter dem Zeigefinger. Der Daumen müßte normalerweise auf der Fläche vor der keilförmigen Vertiefung zum Aufliegen kommen.

83d: Die "logischste" Hanhabe ist jene der Fausthaltung. Die Schräge liegt unter dem Daumenballen und die Finger kommen auf der treppenartigen (eingearbeiteten) Struktur, unterhalb der Handschräge zum aufliegen. Die längliche Kante an der Handhalte wirkt gestumpft (Schutzretusche).


84a: "Messerartige Doppelspitze" (rautenförmig links 11,6 cm) und Pfriem (rechts 10,2 cm) an Abschlägen (Dorsalseiten) mit geringer Kantenverrundung in einheitlicher Patinierung. Formtypologisch dürften beide in das Mittelpaläolithikum zu stellen sein, was sich mit zahlreichen anderen Artefakten in dieser Erscheinung decken dürfte.  Je geringer die Verrundung und Patinierung in Erscheinung tritt, desto differenzierter wirken die Werkzeuge in ihrer Ausarbeitung. Es ergiebt sich generell eine starke Schnittmenge bezüglich ausgehendem Altpaläolithikum und beginnendem Mittelpaläolithikum in Bezug auf Patinierungserscheinungen. Von den stark verrundeten Protoacheuléen-Artefakten scheinen jene Objekte weit entfernt.

84b: Die rhomboide "Doppelspitze" (Dorsalseite) zeigt die Weiterführung der in stark verrundeter und patinierter Form  vorliegenden rautenförmigen Spitzen (dort überwiegend an Naturplatten).

84c: Der geknickte, gestumpfte Rücken als optimale Handhalte bringt den messerartigen Charakter der retuschierten Schneide am "Doppelspitz" zum Ausdruck (Ventralseite). Vielleicht könnte man hier von einem Kombinationsgerät mit Schneide und abgesetzter Spitze ausgehen. Die dornartige Spitze vermittelt den Beginn des Schneidevorgangs durch Einstechen oder Anreißen (Zerlegung von Jagdbeute). Mit der abgesetzten Schneide beginnt schließlich der eigentliche Schneidevorgang.

84d: An vielen Geräten zeigt sich immer wieder eine exakt angepasst wirkende Fingerablage. Hier am gestumpften Rücken, gegenüberliegend der messerartigen Schneide (Arbeitskante) der "Doppelspitze". Eine bessere Führung bei optimaler Kraftübertragung könnte nicht effektiver bewerkstelligt werden. Die untere, schräg liegende Breitseite führt die hier nicht sichtbaren Retuschen, gegenüberliegend der untersten Kante (einseitige Retusche).

84e: Der Pfriem zeigt an seiner linken Lateralkante eine stumpfende Retusche zur Spitze hin.

84f: Detail der Pfriemspitze (oben links) und Ansichten der Doppelspitze. Die dornartige Spitze mit retuschierter Arbeitskante (Schneide) zeigt sich rechts.

84 Vergleich: Sammlung Battenberg, Emil Hoffmann. "Pfriem" (29 x 14,5 x 4,3 cm / 1365 g)

Nasenschaber:

85a: Bill-hook , Hornsteinvariante (11,0 x 9,0 cm).   Die als Bill-hooks (engl. bill: Schnabel, hook: Haken, Bordes 1968. 2, 92 u. 97) bezeichneten Geräte sind aus dem englischen Clactonien (benannt nach dem Fundort Clacton-on-Sea, (700 000 - 300 000 v.h.) bekannt. Bei diesen Stücken leitet oftmals eine seitliche Clactonkerbe am Ende eines Abschlags zu einer schnabel- oder hakenartig geformten Spitze über und haben dadurch in der Form eine gewisse Ähnlichkeit mit den jungpaläolithischen Papageienschnabel-Stichel. Es kam wohl in erster Linie auf die retuschierte konkave Seite mit einer Spitze am Ende an und nicht auf einen standartisierten Typ. Diese Werkzeuge verbinden teilweise eine gebogte Sägekante mit einer Spitze zum Anreißen, das einem Schabevorgang entspricht und wohl das Hauptkennzeichen darstellt. Aus diesem Grund wurden sie den Schabern zugerechnet und lassen sich in ihrer Wirkungsweise mit den Dornschabern vergleichen (Textauszug aus: Battenberg (Pfalz), Ein altsteinzeitlicher Werkplatz des Homo heidelbergensis, Beitrag zur Erforschung der frühen Werkzeugkultur, Emil Hoffmann).

85b: Die hier gestumpft wirkende Clactonbucht mit dornartiger Spitze an einem Abschlag.

85c: Ausgearbeitete Spitze / Dorn.

85d: Der vorgestellte Bill-hook im Vergleich mit einem Artefaktstück aus Donauwörth (Donau-Ries).

85e: Das Ries-Artefaktstück zeigt eine steile Retusche im konkaven Buchtbereich. Das Objekt entstammt einer alten Terassenkante der Wörnitz und war mit einigen, wohl acheuléenzeiltichen Artefakten vergesellschaftet.

85 Vergleich: Bill-hook, aus Altpaläolithische Fundplätze des Homo erectus heidelbergensis / Schmitshausen (Pfalz), Emil Hoffmann.

85f: Der vorgestellte Bill-hook (oben) in Gegenüberstellung zu einem Nasenschaber (siehe auch Bild 29a/b/c/d) und einem verblüffenden Einzelfund (Hornstein mit "Wasserverrundung") aus dem Donauschotter direkt am Kloster Weltenburg (rechts unten). Meiner Meinung nach scheinen Bill-hook und Nasenschaber eng verwandt. Die Arbeitskante erscheint hier lediglich gebuchteter und der Dorn weiter versetzt. Die Doppelbucht zur Spitze hin könnte durch versetztes Arbeiten an verschiedenen Querschnitten (dickeres, dünneres Holz/Knochen) entstanden sein. Weitere Information zum Thema Nasenschaber finden Sie auf der nächsten Seite (Geologie...) ab Abbildung 17a.

85g: "Nasenschaber" mit seitlich versetztem Dorn (Quarzit, 7,1 cm) und geknicktem Rücken. Hier findet die eigentliche Nasenschaberform und der sog. Bill-hook durch den fehlenden Buchtbereich zur Spitze eine entsprechende Übergangsform.

85h: Der Dorn zeigt eine facettierte Abnutzung.

85i: Retuschereste an der Dornkante

85j: Handhalte des Nasenschabers mit facettiertem Dorn wie er beim heranziehen entstehen kann.

86: (siehe auch Abb. 87 und 112)

Zur Artefaktzusammensetzung im allgemeinen: Handspitzenartige Artefakte erscheinen häufig und in allen Patinierungsstufen (hier hellere, kantenschärfere Variante, Quarzit, Dorsalseite) und Rohmaterialvariationen.  Mit Bifacialschabern und wenigen anderen Artefakten bilden diese Artefakte die Ausnahmen in Hinblick auf eine weitreichendere Werkzeugtradition. Die Zusammenstellung aufgefundener Artefaktinventare ist nie repräsentaiv, sondern unterliegt dem erstellten Raster des Suchenden. Ästhetik, abgrenzbare Formen und bereits dokumentierte Artefaktspektren beschneiden die eigentliche, im Dunkel verbleibende, sicherlich vorhandene Vielfalt. Der Aspekt einer mittelpaläolithischen Geröllgeräteindustrie (wie aus der Umgebung von Kronach/Oberfranken, Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte Heft 27 und im Donaubogen bei Regensburg, Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte Band 32) wird auch an vorgestelltem Fundplatz bei Kelheim anzutreffen sein. Ab dem Übergang zum Mittelpaläolithikum tritt eine zunehmende Abschlag- Geräteindustrie ins Blickfeld, welche sich augenscheinlich jedoch deutlich von den "echten" Geröllgeräten unterscheidet. Die Clactontechnik scheint zu verschwinden und durch die Levallois-Methode (Protolevallois) ersetzt zu werden, ohne dabei gänzlich ältere Grundformen rückstandslos aufzugeben. Materialbedingt treten bestimmte ältere Formen entweder weiterentwickelt oder auch noch gänzlich urtümlich in Erscheinung. Diskoide Kerne (dunkelbräunlich bis bräunlich patiniert) werden durch Vollkerne oder Levalloiskerne (mittlere bis hellere Patinierung) ersetzt. Gerade für die Übergangsphase eines Jungacheuléen in ein frühes Moustérien wird ein kaum trennbares Inventar aufzeigbar. Kommen spezifische Ausprägungen wie etwa ein Moustérien de tradition acheuléen hinzu (wie für die Sesselfelsgrotte bezeugt), kann eine hundertprozentige Ansprache gerade für diesen Zeitabschnitt, anhand von Oberflächenfunden nicht mehr erfolgen. Die Geröllgeräte von Kelheim lassen sich in ihrer Erscheinung, Patinierung und Verrundung mit Regensburg und Kronach nicht in Einklang bringen und bilden eine deutlich isoliert, abgetrennte Fazies die einer "echten" Geröllgeräteindustrie nahe zu stehen scheint. Für die vermuteten Artefakte einer Übergangsphase vom Kelheimer Fundplatz treten hingegen hohe Übereinstimmungskriterien mit Regensburg und Kronach in Kraft.

Zur Geröllgerätekultur ("peeble-culture") im allgemeinen:

Die Ansprache einer der "pebble-culture" nahestehenden Fazies verlangt eine Einengung des Begriffs. Viele der seit langem bekannten altsteinzeitlichen Kulturen haben keineswegs nur Silexknollen verarbeitet, sondern sich gelegentlich als Rohstoff teilweise oder sogar ausschließlich auch geeigneter Gerölle bedient. Das gilt selbst für technologisch so weit entwickelte Kulturen  wie das Moustérien (L. Vértes, Tata, eine mittelpaläolithische Travertin-Siedlung in Ungarn. Archaeologia Hungaria S.N. XLIII, Budapest 1964) das Praesolutréen (L.Zotz, Kösten, ein Werkplatz des Praesolutréen in Oberfranken. Quartär-Bibl. Bd. 3, Bonn 1959) als auch weit ins Jungpaläolithikum hineinreichende Kulturstufen wie etwa das Magdalénien. Niemand aber wird die genannten Steinindustrien deshalb jemals in den Kreis der Geröllkulturen oder "pebble-cultures" ziehen. Allerdings gibt es keine "reine Geröllkultur", in der nicht auch Abschläge neben den Geröllwerkzeugen vorkämen, wie es eben in den "üblichen" Kulturen keine reinen Faustkeil-Kulturen gibt.  Maßgebend für die Bezeichnung pebble-tool oder Geröllwerkzeug ist jedenfalls nicht allein das Ausgangsmaterial, sondern auch die Endform des Werkzeugs, die aus diesem gewonnen wurde.

Ein "Geröllwerkzeug" im engeren Sinn muß demnach auch "primitiv, grob und wenig spezialisiert" sein und darf nicht den Vollkommenheitsgrad der "üblichen", gewöhnlichen aus Feuerstein und verwandten Materialien hergestellten, altsteinzeitlichen Silexgeräten erreichen. Ebensowenig sollte man andererseits eine Silexknolle die etwa die Bearbeitungstechnik der Geröllgeräte zeigt, als "chopper" oder "chopping-tool", mithin als eine der Hauptleitformen der "pebble-cultures", bezeichnen. Eine Silexknolle ist nun einmal kein Geröll. Sie verdankt ihre Entstehung ganz anderen, chemisch-physikalischen Ursachen bei der Sedimentation, während das Geröll allein durch mechanische Verfrachtung oder/und witterungsbedingter Beeinflussung geformt wurde und die ursprüngliche Geröllfläche am Artefakt ersichtlich bleibt. Auch wenn sich die Grundformen teilweise angleichen (Knolle und Geröll in Kugelform) gilt es hier zu unterscheiden. Niemals aber sollte, wie leider selbst in der Fachliteratur geschehen, ein scharfkantiges, gering bearbeitetes Gesteinsstück in den Bereich der "pebble-cultures" gezogen werden. Die mehr entwickelten, für bestimmte Kulturen altbekannter Nomenklatur typischen Steinwerkzeuge kann man ebensowenig in die "pebble-cultures" einbeziehen, sondern darf bestenfalls eben von "Geröllschabern" usw. innerhalb eines Moustérien usw. sprechen. Es könnte möglich gewesen sein, das der Urmensch bei seiner Suche nach geeignetem Rohmaterial für seine Werkzeuge, vom allochtonen Geröll zur autochtonen Silexknolle in formgebundener Angleichung des Rohmaterials gefunden hat. Zunächst war das gleichsam überall herumliegende Flußgeröll und Gestein das naturgemäß in die menschliche Hand passende Werkzeug oder die Waffe. Leider aber war dieser Rohstoff recht schwer zu einer von Menschen wachsend mehr zweckmäßig verlangte Form umzugestalten. Das mag der Grund gewesen sein, weshalb die Geröllkultur so sehr lange Zeit stagnierte und sozusagen, wenn auch fortlaufend an Bedeutung verlierend, durch die gesamte Steinzeit durchlief. Progressiv war sie dabei, als sich im oberen Altpleistozän ihre bifazial bearbeiteten Chopping-tools zu echten Zweiseitern entwickelten.

87:

Jene Urmenschenzweige aber, die sich, möglicherweise dabei, wie gesagt, einer rein äußerlichen Formähnlichkeit folgend, des Flint und verwandter Silexarten zu bedienen lernten, fanden in ihm einen Rohstoff, der eine technologische Progressivität erlaubte, ja begünstigte. Gerade die so häufig gemachte Beobachtung, daß altertümliche, seit eh und je unveränderte, primitive Geröllgeräte zusammen mit Mittel- oder selbst Jungpaläolithikum und Mesolithikum auftreten, sei ein solcher Fundverband nun stratigraphisch gesichert oder trete er in Form von Oberflächenfunden auf, scheint dafür zu sprechen, daß die Geröllwerkzeuge in solchen Kulturkomplexen mehr als ein retadierendes, denn als ein progressives Element anzusprechen sind. Offenbar verdeutlichen solche Fundgesellschaften weniger eine in kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung befindliche Kultureinheit, als daß sie ein Zusammenlaufen recht verschiedener, teils progressiver, teils regressiver Ströme oder Kulturen wahrscheinlich machen. Mag nun eine Minderheit von Trägern der Geröllkultur zu einer Mehrheit von Trägern der gemeinhin bekannten mittel- und jungpaläolithischen Kulturen gestoßen und eingeschmolzen worden sein, oder war es auch umgekehrt, beide Kulturen verharrten in Retardierung  oder sie blieben fortschrittlich, wußten einander jedenfalls nicht maßgeblich zu beeinflussen, so daß ihre Kulturen ein einheitliches Gesicht erhalten hätte.

Oben Abb. 87: "Handspitzenartiges" Artefaktstück in starker Verrundungserscheinung (Quarzit) an einem Abschlag. Links: Trais-Münzenberg. Hier als Nasenschaber mit stark verrundeten Kanten bezeichnet. Die Ansprache betrifft hier die Arbeitskante (untere Bildhälfte, rechte Spitzenseite). Zeichnung aus: Herbert Krüger, Die altpaläolithische Geröllgeräte-Industrie der Münzenberger Gruppe in Oberhessen (Mit etwa 550 000 Jahren veranschlagt).


88a: Zwei heller patinierte hobelartige (dechselartige) Artefakte mit verjüngender Handhalte (Schäftungsdorn?) und steil retuschierter Arbeitskante, Quarzit (etwa 9,0 cm).

88b: Neufunde Mai 2011: Hobelartige Geräte in verschiedenenen Ausführungen (Quarzit und Hornstein) mit teilweiser Nachschärfung. Hobelartige Geräte bilden durchaus ein Spektrum eines micoquiden Inventars.

88c

88d

89a: Ein ähnliches ("archaischeres") hobelartiges Artefakt zeigt sich dunkel patiniert mit einem konkaven Clactonabschlag, welcher die mittig liegende Arbeitskante formt, Quarzit (12,1 x 7,0 cm).

89b: Obenliegend die Arbeitskante, nach unten bildet sich die zapfenartige Handhalte.

89c: Handhalte des hobelartigen Artefaktes.


Bifacial-Schaber / Faustkeilschaber

90a: Bifacial-Schaber mit gestumpften Rücken und welligem Kantenverlauf. Die bifaciellen Schaber lassen sich von hell bis dunkel patiniert, als nahezu einzige Ausnahme durchgehend verfolgen. Diese Werkzeuggruppe steht in einer langen alt- bis mittelpaläoloithischen Tradition. Stark verrundete Varianten lassen eine wesentlich gröbere Bearbeitung erkennen (Im Hintergrund: Zwei gleichartige Artefakte).

90b: Bifacial-Schaber (Faustkeilschaber) in verschiedenen Verrundungsstadien. Oben links und mitte: Zwei stark verrundete Schaber. Der Hellere (rechts) verkörpert die Patinierung der moustérienzeitlichen Artefakte. Alle Objekte zeigen sich rindenfrei.

90c: Bifacialschaber an einem Abschlag (Dorsalseite). Die verdickte Handhalte befindet sich oben, gegenüberliegend die Arbeitskante.

90d: Ventralseite (Handhalte oben).

90e: Schneidenbereich

90f: Welliger Kantenverlauf

90g: Bifacialschaber mit gestumpfter Basis in Handlage, Quarzit (9,2 cm).

90h: Die Krustinationsreste verfüllen sämtliche Feinheiten der retuschierten Schneide. Der verdünnte Bereich der vorragenden Schneide (rechts) zeigt sich quasi zugespachtelt.

90i: Krustinationsreste am Bifacialschaber.

90j: Die Krustination beinhaltet immer wieder anhaftende Sandkörner (Detail von 90i links).

90k: Die hellere, kantenschärfere Patinierungsversion in Handhalte.

90l: Unifacialschaber an einem Abschlag aus Hornstein, linke Ecke mit neuerer Beschädigung.

90m: Die Ventralseite zeigt sich kaum überarbeitet.

Kleinstgeräte / Mikrogeräte

91a: Minikratzer an einem Quarzitabschlag. Es ist mittlerweile gelungen eine hohe Anzahl von Kleinstgeräten zu bergen die auch den Bereich der Geröllgeräte mit "Kleinchoppern" verschiedenster Art bedient. Auch muschelige Splitter, der eigentliche Abfall der Zuschlagvorgänge an Geröllen konnten isoliert werden. Der Bereich der "Minigeräte" verdient eigentlich eine eigene Abhandlung und würde sich diesbezüglich erstaunlich vielseitig und fein gestaltet darstellen und die Annahme der groben Geröllgerätekultur revidieren helfen. In dieser Größenordnung unterliegen die Objekte jedoch einer meist durchgehenden Verwitterung.

Münzenberg (Wetteraukreis), Protoacheuléen. Kratzerartiges Kleingerät

91b: Kleine Spitze mit konkaver Zurichtung und sandiger Krustinationsauflage, Quarzit (3,9 cm).

91c: Detailaufnahme der konkaven Seite an der kleinen Spitze. Die sandige Krustination kann Feinheiten regelrecht verbergen und eine Ansprache erschweren oder unmöglich machen. Die Auflage bildet aber auch einen Schutzmantel und bewahrt die Kleinstgeräte so vor Durchwitterung.

91d: Nahezu vollständig verkrustetes Kleingerät mit seitlicher Arbeitskante an einem Mittelgrat, Quarzit (4,7 cm). Es scheint, jenes Objekt schält sich regelrecht aus seinem Schutzmantel.

91e: Steil retuschierter kleiner Kratzer mit schräger Handhalte, Quarzit (4,8 cm).

Biface Protobiface

92a: Sogenanntes "Keilchen" oder Fäustel  (Quarzit) könnte bereits für ein Mittelpaläolithikum sprechen.

Kleiner Fäustel in mittelpaläolith. Form (Quarzit 6,5 cm),


92b: Biface, Quarzit (12 cm)

92c: Biface, Quarzit (8,5cm)


Als Leitartefakt und Brückenschlag in eine tatsächlich sehr alte Artefaktfazies möchte ich folgenden Biface vorstellen:

Abbevillfaustkeil / Chopper mit Spitze

92d: Protobiface mit beidseitiger, deutlicher Überarbeitung und Spitzenzuschlag in bekannter Weise, deutliche Kantenverrundung, ohne Cortexreste, Quarzit (10,2 x 7,0 cm). Dieser Biface bildet eine Besonderheit, zeigt er doch jenen konkaven Spitzenzuschlag wie an Choppern bei einer nahezu gänzlich flächigen Überarbeitung. Hier wird die Entwicklung vom "Spitzchopper" oder bifazialen Chopper mit Spitze (Münzenberg: Typ II,5A nach Biberson: II,9) zum bifazialen Protofaustkeil offensichtlich. Rechts zeigt sich der pyramidale Mittelpunkt der diskoiden Zurichtung. Die Trennkanten der Abschläge zeigen sich stark verrundet. Das Objekt entstammt der Nachbarhochfläche des vorgestellten Hauptfundplatzes und wurde innerhalb einer Quarzitgeröllinsel mit mehreren anderen Geröllgeräten de Münzenberger Typs ohne jüngere Artefaktgattungen aufgelesen.

92d-2: Angleich mit einem Abbevillfaustkeil aus Valladolid/Spanien (Quarzit, etwa 10 cm). Die plateauartige Fläche des diskoiden Zuschlags zeigt sich links (rot umrandet), sie bildet im Querschnitt den kielartigen Ansatz am bootsförmigen Körper (600 000 - 400 000 Jahre).

92e: Kielbereich am Finger bei Ansicht im Längsschnitt.

92d-3: Der kielartige Ansatz (Plateaufläche der diskoiden Zurichtung) am spanischen Abbevillkeil.

92f-1: Der Biface in Handhalte mit retuschierter, stark verrundeter Schneide.

92f-2: Der leicht geknickte, gestumpfte Rücken gegenüberliegend der Schneide zur Fingerablage.


92g: Protobiface an einem Geröllstück mit geschrägter Basis und gestumpfter Handhalte, Quarzit (7,5 cm).

92g-2: Aufsicht auf den Spitzenbereich und die Seitenstumpfung (links).

92g-3: Schneidenbereich am Biface.

92g-4: Fingerablage am gestumpften Bifacerücken.


92i: Biface oder Levallois-Zielabschlag?  (Hornsteinvariante 10,5 x 9,5 cm). Rechts mit möglichem (hellem) Frostsprung. Am unteren, bogenförmigen Ende mit Rindenrest.

92j: Die Ausarbeitung im Spitzenbereich (zwei überarbeitete Konkavverläufe zur Spitze) deutet auf einen Biface.

Vergleich: Biface discoide.


92k: Zwei Biface mit seitlichem, konkaven Spitzenzuschlag (je 9,0 cm) in identischer kernartiger Ausführung.

92l: Konkave Spitzenzurichtung am rechten Biface.

92m Konkave Spitzenzurichtung am linken Biface.


Eher gröber gestaltete Bifacoides. Aus einer noch unveröffentlichten, französischen Arbeit / Collina-Girard (Dissertationsarbeit).

92n: Zwei kleine Biface (links: 7,4 x 7,0 cm), Quarzit. Fortgeschrittene Verrundung, Patinierung und Typologie gleichen sich an. Die eher diskoide Grundform mit erhötem Mittelpunkt auf der Bifacefläche spricht für eine acheuléenzeitliche (jüngeres) Einordnung.

92o: Der rechte Biface zeigt sich alt gestumpft und nachgeschärft mit grober Retusche an der rechten Arbeitskante. Der linke Biface zeigt die fein gesetzte, rückengestumpfte Seite (Schutzretusche) an der rechten Kante (Handhalte bis zum unteren, verdickten Bereich). Die Arbeitskante befindet sich links.

Olduvai (Upper Bed II). Zweiflächig bearbeiteter Faustkeil von Acheuléen-Charakter (etwa 8,0 cm) aus vulkanischem Gestein (nach Leakey 1971). Typologisch zeigt sich ein identisches Vergleichsstück zum linken oberen Biface mit diskoidartigem, pyramidalem Mittelpunkt.

Faustkeil von Hummendorf 25m-Terrasse (6,7 cm). Kleines fäustelartiges Stück aus stark patiniertem dunklen Quarzitschiefergeröll mit zahlreichen Kratzspuren. Dorsal nahezu ganz überarbeitet mit stark verrundeten Retuschekanten, ventral nur partiell an den Rändern mit flachen Retuschen (Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte, Heft 27, Die mittelpaläolithische Geröllgeräteindustrie aus der Umgebung von Kronach in Oberfranken). Der Faustkeil zeigt sich verhältnismäßig flach gestaltet.

92p: Der linke Biface zeigt eine deutliche Rückenstumpfung im Handhaltebereich (Spitze rechts). Wieder bietet eine kleine Mulde knapp vor der eigentlichen Artefaktspitze eine perfekte Daumenablage welche sich beim Ansetzten, zum Gebrauch der Schneidenseite anbietet.

92q

92r: Die facettierte Spitze des linken Biface zeigt im Schneidenbereich eine retuschierte und/oder durch Benutzung entstandene Bucht (verwürgende Retusche), wie diese entsprechend bei Holz- oder Knochenbearbeitung durch versetzten Ansatzwinkel entstehen kann.

92s

92t: Eine Ecke des triangulären Faustkeils zeigt eine Stumpfung...

92u: ...bei entsprechender Handhaltung zum Gebrauch der Bifacespitze befindet sich die gestumpfte Kante unter dem Daumenballen. Die Kraftübertragung und reduzierte Verletzungsgefahr wird hiermit optimiert. Die kleine Mulde bleibt bei dieser Handhabe bedeutungslos und zeigt sich mit der Bifaceoberfläche einheitlich (wie alle Vertiefungen dieser art) patiniert.

92v: Daumenablage auf der kleinen Mulde bei Gebrauch der Schneidenkante. Der Zeigefinger umgreift den fein gestumpften Rücken, die grob gestumpfte, verdickte Bifacebasis liegt im Handballen. Die gestumpfte Handballenkante zeigt sich unten rechts und bleibt bei dieser Handhalte bedeutungslos.

Protobiface mit Detailanalyse (Paradebeispiel).

92w-1: Protobiface mit abgeschrägter Handhalte und flächiger, allseitiger Bearbeitung. Krustinationsauflage verstärkt einseitig, Wüstenlackreste im Handhaltebogen, Quarzit (8,7cm). Unten rechts: Diskoidartige Vorgehensweise zum Mittelpunkt hin. Linke Bildhälfte: Flächige Bearbeitung mittels flach geführter Abschläge auf der Gegenseite.

92w-2 Die Handschräge liegt über dem Daumenballen und die Arbeitskante mit Spitze ( V und roter Punkt) tritt nach vorne. Die stark verschliffenen Retuschereste zeigen sich als welliger Kantenverlauf mit einem verblüffendem Detail. Die seitlichen Spitzen links und rechts erscheinen gekappt. Die linke Kappung wird in der starken Vergrößerung erstaunliches zeigen...

92w-3: Detailaufnahme der Arbeitskante: Offensichtlich zeigt sich hier ein sehr kleiner Schlagpunkt (minimal mit Krustination verfüllt!) und der winzige muschelige, polierte Abschlag (0,8 cm). Etwas weiter links an der Kante ein weiterer unverfüllter kleiner Schlagpunkt mit darunter befindlichem kleinem Abschlag (siehe auch Abb: 62b).

92w-4: Untere Kante des kleinen Abschlages mit welligen Kleinststrukturen (Impulswellen).

92w-5:  Detailaufnahme (mit leichter, heller Anzeichnung der Strukturkanten) der linken Spitzenabschlagfläche von Abbildung -2 mit Anzeichen mehrerer vertieft, fein geführter Nachschläge. Facettiert, wabenförmige Trichter, zickzackförmiger Mittelkantenverlauf.



93a: Faustkeilartiges Objekt (Faustkeilmesser) mit deutlicher Spitzenpräparation, gering verrundet und nicht ganz dunkel patiniert. Das mittlere Bild zeigt die perforierte Artefaktspitze (auch rechts) und der anliegende rechte gerade Spitzenzuschlag. Oben links zeigt sich der schräge Heckbereich für die Handballenablage (Vergleich auch mit Startseite Abb. 3).

93b: Die Spitze im Detail mit einem länglichen, geraden Abschlag (mitte und rechts) gegenüber der feineren, verjüngenden, pickartigen Präparation (links). Die retuschierte Schneide zieht sich unterhalb des geraden Spitzenzuschlages entlang und dürfte eher einer schabenden, abziehenden Funktion zuzuordnen sein. Die mögliche Daumenablage zeigt sich im Bild rechts und mitte vor der Spitze.

93c Schneidenbereich im bogenförmigen Einschnitt des Artefaktes. Rechts zeigt sich der Beginn des länglichen, geraden Spitzenzuschlags.

93d: "Trennfläche" unterhalb der Spitze (rechts) mit fächerförmigen Abrisslinien (keine stepfractures, führten also nicht zu einer Unterbrechung des Abschlages bzw. zu einem Bruch bei der Abtrennung des Artefaktes von einem größeren Kern).

93e: Faustkeilartiges Objekt in optimaler Handhalte. Unterhalb des Daumens befindet sich die buchtförmige, konkave, retuschierte Schneide. Es zeigen sich im Daumenbereich zahlreiche stepfractures. Fingermulde im vorderen Bereich unmittelbar vor dem Daumen?! Der Handballen liegt auf dem geschrägten Heck auf. Beim Heranführen zum Körper könnte an Schäftarbeiten gedacht werden (Zuspitzen von Holzlanzen beispielsweise).

93f: Die Fingermulde zeigt sich mit der restlichen Oberfläche einheitlich patiniert. Die Mulden befinden sich an allen entsprechenden Artefakten mittig bis überwiegend im vorderen, letzten Teil des Artefaktes unmittelbar vor der Spitze.


94a: Faustkeilartiger Pic mit deutlich abgesetzter Spitze in Handhalte und kleinen kraterartigen Vertiefungen auf der Artefaktoberfläche, Quarzit (12,5 cm).

94b: Wurde die Spitze durch Pick-Technik in ihre Form gebracht? Kleine Schlaglöcher verweisen auf diese Vorgehensweise. Die Abschlagnegative der Spitzenzurichtung sind durch die Pickatur verwischt und zeigen sich nur noch als stark verrundete Kante zur Spitze hin (auch oberes Bild).


95a: Rohform (Halbkeil) für einen Protobiface an einem flachen Geröllstück, Quarzit mit deutlicher Verrundung (8,8 x 8,2 cm bei 3 - 3,5 cm Dicke). Das einzigartige Artefaktstück zeigt die artifizielle, planerische, nach Typologie festgelegten Arbeitsschritte auf. Die Proportionen für einen Biface sind bereits angelegt, bogenförmige Handhalte und der Spitzenbereich zeigen sich deutlich facettiert.

95b: Rundum facettiert zeigt sich die Rohform für den nächsten Arbeitsschritt, dem seitlichen Zuschlag zur Flächengestaltung bereit. Noch recht dick wurde das Objekt durch steile, seitliche Zuschläge in seiner faustkeilartigen Form bereits angelegt. Durch Abschläge über die seitlichen Facetten würde im nächsten Schritt die Oberfläche des Gerölls verdünnt (flächige, bifaciale Bearbeitung) werden. Der Handhaltebereich zeigt sich bogenförmig, bereits im gebrauchsfähigen Zustand (oben rechts). Das Endprodukt könnte dem am Seitenanfang vorgestellten Protobiface entsprechen und dürfte mithin zu den ältesten (Protoacheuléen?) Artefakten gehören.

95c: Die Rohform neben einem beidseitig bearbeiteten, fertigen Protobiface (rechts).

95d: Am Protobiface zeigen sich noch die steilen Clactonabschläge. Weitere Abschläge am Rohstück würden die Spitze definieren und eine Seite schräger stellen. Die Oberflächengestalltung am Protobiface erscheint als gröbere, muldenartige Vertiefung, hingegen bleibt jene des Rohstücks glatt. Bei kugeligerem Ausgangsmaterial müßte die Oberflächenreduktion massivere Einwirkungen aufweisen. Beide Objekte wurden in einem Radius von etwa 20 m geborgen.

Herstellung eines Protobifaces und eines acheuléenzeitlichen Faustkeils (nicht Levallois) an kugeligen, eiförmigen Geröllstücken. In der oberen Reihe ist der Übergang von chopperartiger zu faustkeilartiger Formgebung zu erkennen. An einem Schlagpaltz, wie dem hier Vorgestellten, dürften im verstärkten Maße alle Produktionsschritte auffindbar sein, am wenigsten fertiggestellte Werkzeuge, da diese nach Herstellung mitgenommen wurden und nur vereinzelt entdeckt werden dürften. Die untere Reihe zeigt einen echten, formüberarbeitetn Biface / Faustkeil. In einzelnen Abschnitten und Zwischenstadien gleichen sich beide Formgebungen teilweise an.


Pic´s  an Geröllstücken

96a: Picartiges Gerät A (8,9 x 7,6 cm)

96b


97a: Picartiges Gerät B mit stark ausgeprägten stepfractures, Quarzit (7,3 x 5,7 cm)

97b


98a: Quarzitpic (11,0 x 6,2 cm)

98b: Detail der Picspitze.

98c


99a: Stark verrundeter Pic an einem Geröllstück (8,4 x 4,2 cm). Die facettierten Abschläge im Spitzenbereich sind nur noch als leichte Vertiefungen zu erkennen. Die Krustinationsauflage kann feinere Spuren und Mulden an Artefakten auffüllen und eine Ansprache erschweren. Ich vermute, entsprechende Objekte könnten einheitlich in einer betonharten Einbettungsschicht verbacken gewesen sein, aus welcher sie herauswitterten. Die Krustination kann erst lange nach der Verrundung (Umlagerung) angelagert worden sein, da sie Diese überdeckt.

98b: Ein weiterer gleichartig wirkender Pic an einem Geröllstück in gleichem Verrundungsstadium. Beide Objekte entstammen einer Fläche von ca 50 x 50 Meter. Im Heckbereich (dickeres Ende) erscheinen beide mit gekappten Flächen spitzwinkelig (>).

98c: Bei entsprechender Handhaltung (die Finger liegen dann deckungsgleich über den schräg gesetzten, länglichen Mulden) wirken die Vertiefungen wie Fingermulden und dienen einer scheinbar perfekten Handhabe.

98d: Seitlicher Spitzenzuschlag am Pic.


Chopper

99a: Geröllstück mit drei, leicht schräg gesetzten Abschlägen im dickeren Bereich des Objektes.

99b: Chopper an einem plattigen Geröllstück (Quarzit, 8,2cm).


100: Möglicher Chopper in Fundlage und verschiedenen Perspetiven. Dreifach-Abschläge an einem Geröllstück (Quarzit).


Diverse Chopper-Typen, aus Archäologie der ältesten Kultur in Deutschland (L. Fiedler) und Geröllgeräte aus Niederösterreich (K. Valoch).


101: Möglicherweise extremst verrundeter Chopper mit welligem Kantenverlauf (Chopping-tool) an der sich verdünnenden Arbeitskante. Der Handhaltebereich errscheint dick und grob gestumpft. Im Verbund mit anderen Artefakten erlangte er Aufmerksamkeit und wäre in isolierter Lage sicherlich unbeachtet geblieben.


102a: Die Dorngriff-Variante zeigt sich auch gelegentlich an Geröllchoppern. Der oben rechts abgebildeten Chopper mit Naturseiten zeigt den schrägen Zuschlag zur Arbeitskante (rote Linie) und den welligen Kantenverlauf, (11 x 8,4 cm bei 5 cm Stärke). Das untere Beispiel und oben links zeigt die Spitzgriff-Variante an Abschlägen (oben links event. "Salamitechnik).

102b: Der oben rechts abgebildete Chopper (eigentlich als Chopping-tool zu bezeichnen, da beidseitiger Zuschlag zur Arbeitskannte welche sich mittig befindet). Auf einer Seite zeigen sich Krustinationsreste. Die Heckseite zeigt einen Abschlag (rechtes Bild, bogenförmig unten) zur Griffoptimierung. Dieses Beispiel zeigt die noch erkennbare Maximalverrundung an Quarzitartefakten des Fundplatzes.

102c: Der wellige Schneidenbereich (mit einem größeren Retuscheabschlag an der unteren Ecke / Kantenzuschlag) zeigt sich oben, Seiten und Heckansicht unten. Am Heck zeigt sich rechts der kleine Abschlag um diesen natürlichen Bogen etwas zu verdünnen. Man müßte hier nicht zwingend von einem Dorngriff sprechen. Die Herleitung aus vorgegebenen Formen scheint jedoch ersichtlich und diese Griffart wird in gewisser weise für die ersten Faustkeile mithin formgebend (siehe hierzu auch die Abbildung "Herstellung eines Protobifaces aus einem Geröllstück" weiter oben).

102d: Der Chopper in Handlage.

Eine kleinere Version (rechts) fand sich im Bestand der Neufunde vom Mai 2011.

Der kleinere Chopper in beidseitiger Ansicht.

Die untere Querseite am kleineren Chopper zeigt die facettenartige Überarbeitung (wie 92w-5).


Münzenberg (Wetteraukreis), Protoacheuléen. Chopping-tool.

102e: Detail der Schneide am größeren Chopper / Arbeitskante mit teilweise überlagernder Krustination (grobsandig). Ein größerer Retuscheabschlag zeigt sich an der linken Ecke.

102f: Detailaufnahme der retuschierten, teilweise mit Krustination aufgefüllten Arbeitskante (rechte untere Bildecke).

102g: Alle drei Artefakte zeigen übereinstimmend einen jeweils größeren Abschlag an der Schneidenecke um die eigentliche Arbeitskante etwas abzusetzen (Links: jeweils drei verschiedene Artefakte in Detailansicht).

102g: Der Dorn (hier wohl Naturform) dient unter dem Daumen der Handhalte. Die Retusche ist in ihrer Patinierung etwas überplatzt aber in der Formgebung unverändert.

102h: Neufund Nov. 2011: Chopping-tool, Quarzitgeröll mit mittiger Schneide oben (7,7 cm). Heckseite gekappt. Auf der rechten Seite zeigt sich der für Chopping-tool´s typische keilförmig Zulauf zur Schneidenkante. Die Gegenseite scheint wenigestes mittels zweier (links 2 kleinere überlagernde) konkaver Schläge, spitzzulaufend schräg, zugerichtet.

102i: Die Artefaktschneide liegt mittig und zeigt sich seitlich gekappt ("Auf dem Weg zum Protobiface siehe Abb. 92w-2). Die Schneide selbst zeigt wieder den seitlichen Kantenschlag (roter Bogen).

102j: Detail der Chopping-tool Schneide.


102k: Bis zur Unkenntlichkeit verrundeter Chopping-tool, Quarzit (10,0 cm). Mit lackartiger, teilweise abgeplatzter Wüstenlackauflage.

102l: Es müßten Gleichartigkeiten im Detail  zu finden sein, welche trotz der extremen Verrundung eine Ansprache ermöglicht: Vergleich mit einem Chopping-tool und an der Schneidenecke befindlichem Kantenschlag welcher sich auch am verrundeten Chopper zeigt. Die Fläche am Querschnitt jeweils rechts ersichtlich ist am rechten Gerät überarbeitet und gestumpft. Am linken verrundeten Objekt zeigen sich trichterartige, stark verrundete Vertiefungen.

102m: Schneidenbereich mit Kantenschlag und gestumpfter Querseite (oben).

102n: Stielartige Heckseiten der beiden Chopping-tools. Der linke zeigt diesen Bereich noch deutlich überarbeitet. Das linke Objekt entstammt dem Hauptfundplatz, rechtes Objekt einer Geröllinsel der Nachbarhochfläche.

102o: Der verrundete Chopping-tool in Handhalte mit Kantenschlag an der rechten Schneidenecke.



102p: Vom gleichen Fundpunkt wie jenes zuvorvorgestellte, verrundete Objekt stammt dieser Chopping-tool mit stielartig überarbeiteter Handhalte, Quarzit (8,1 cm).

102q: Handhalte mit Fingerablage auf einer Abschlagfläche.

102r: Die überarbeitete Heckseite mit Kappung.


103a: Chopperartiges Gerät an einem Geröllstück mit gewölbter (konkaver) Arbeitsfläche und darauf möglicherweise befindlicher Riefenbildung. Einseitige (rötliche) Hitzeeinwirkung mit Rißbildungen auf der gegenüberliegenden Seite (Quarzit). Die Riefen sind bei entsprechender Beleuchtung erkennbar.

103b

103c

103d: Rotfärbung und Feinrißbildung durch Hitzeeinwirkung.

Im Vergleich: Geröllgeräte aus Niederösterreich (einen Link zur pdf-Datei finden Sie am Seitenende). Hier ebenfalls mit Feinrißen? Die Farbgebung bleibt bei dieser Zeichnung unbekannt.

103 Vergleichsform hier an einem Abschlag aus Schmitshausen / Emil Hoffmann: Rundschaber (295-1B), Grauwacke, die 3/4 Arbeitskante reicht an beiden Seiten bis zur Basis, konkave Basis mit zwei herausgearbeiteten schaberähnlichen Abschlüssen mit glatter Ventralseite im Bereich der vorstehenden Schabekanten, Dorsalseite links mit kurzem Grat, rauhe Oberflächen (7,0 x 7,7 x 4,1 cm bei 294 g).


104a: Drei kleine Geröllchopper mit Buchtenbildung durch Benutzung.

104b


Cleaver (Hackmesser)

105a: Frisch ausgepflügt wäre der Cleaver sicherlich innerhalb recht kurzer Zeit beschädigt worden, so zeigen sich jedoch keinerlei "moderne" Beeinträchtigungen. Für große Kerne und Abschläge ist der Zerstörungsgrad recht hoch und die ursprüngliche Formgebung ging  nicht selten verloren.

105b: Ventralseite, also offensichtlich ein Abschlag. Die Handhalte (links) würde also durch den Schlagflächenrest gebildet werden.

105c


106a: Cleaver (hachereaux) mit gezackter, steil retuschierter Schneide. Links zeigt sich ein Bruch im feuergefärbten (rötlichen) Bereich. Im unteren Bildrand zeigt sich der gezackte, buchtförmige Schneidenbereich.

106b: Die Bruchfläche hier rechts im rötlichen Bereich des Artefaktes im Detail.

106c: Detail der steilen, buchtförmigen Retuschen. Eine erste Einsichtnahme bestätigt eindeutigen Artefaktcharakter.

106d


107a: Cleaver nach der Bergung, Quarzit (10,5 x 8,4 cm).

107b: Die verdickte Handhalte befindet sich im Bild oben, vorne die durch Clactonkerben gebildete Arbeitskante, "Dorsalseite".halte, "Dorsalseite".

107c: Die gewölbte "Ventralseite" des zu einem Cleaver gebildeten Abschlages. Es zeigen sich einige Riefen auf der Oberfläche.

107d: Eine mikroskopische Untersuchung erbrachte eine Entstehung der Riefenbildung durch Geschiebevorgänge. Es handelt sich zudem nicht um einen Abschlag mit Ventralseite, sondern einer Naturscherbe. Einzig die buchtförmigen Einkerbungen können als Hinweis intentioneller Arbeit herangezogen werden. Es könnte die Verwendung natürlicher Formgebungen als Ausgangsprodukt zur Werkzeugherstellung neben anderen Beispielen belegen.

Diskoide und Kernsteine

108a: Diskoide begleiten die Artefakfundstelle in relativ großer Anzahl. Innerhalb artefaktfreier Geröllflächen bleiben die entsprechenden, leicht erkennbaren Diskoide aus.

108b:    < Abbaurichtung / Schlagrichtung zum Mittelpunkt.

108c: Der auf dem ersten Foto abgebildete Diskoid in gereinigtem Zustand.

Einfache Abschlagtechniken:

Die einfachste und ursprünglichstre Herstellungsweise von Abschlägen erfolgte durch das Abhauen eines Spaltstückes von einem Stein, dem Kern, mit einem anderen, dem Schlagstein. Derart gewonnene Artefakte heißen einfache Cortexabschläge. Wird in dieser Weise eine Serie von Abschlägen hintereinander vom selben Kern abgetrennt, haben diese nur noch Teile der ursprünglichen Cortex (Gesteinsrinde) auf ihrer Oberseite (Dorsalfläche) oder sie ist durch vorherige Abtrennung ganz entfernt. Solche Stücke heißen einfach Abschläge.

Jede Schlagfläche kann dabei noch die ursprüngliche Gesteinsrinde tragen oder auch glatt sein, weil der Kern nach einem ersten Abschlag oder einer Folge von Abschlägen gedreht wurde. Einfache Abschläge sind Ergebnisse der Clactontechnik. Sie besitzen in der Regel einen Schlagwinkel um 120 Grad, einen großen Schlagflächenrest und sind im Längsschnitt keilförmig oder unregelmäßig dick.

Beim intensiveren Abbau eines Kerns in einfacher Schlagtechnik wird dieser mehrfach gedreht und gewendet, so daß ein "kugeliger" oder "würfelförmiger" Kern, ein Polyeder übrigbleibt, oder die Abschläge werden entlang des Umfanges des Kerns in einer gleichbleibenden Arbeitsrichtung abgetrennt, so daß ein scheibenförmiger Restkern mit Cortexfläche, ein Epannelé, übrigbleibt.

Polyeder sind häufig als Schlag- und Schleudersteine verwendet worden; Epannelés wurden vermutlich als benutzbare Werkzeuge bei der Abschlagproduktion eingeplant.

Eine weitere Art der urtümlichen Schlagtechnik bestand darin, den Kern während der Abschlagfolgen öfters, oder nach einer vollständigen Serie um die Peripherie herum, um 180 Grad zu drehen und dann den Abbauvorgang so fortzuführen, daß die vorher gebildeten Abschlagnegative die Schlagflächen der nächsten Abschläge oder Abschlagserie waren.

Die Restkerne haben dabei rundliche, ovale, dreieckige oder gestreckte Umrißformen, werden aber zusammenfassend als diskoide Kerne bezeichnet. Die Abschläge von diskoiden Kernen haben die Schlagwinkel wie einfache Abschläge und sind entsprechend in ihren Längsschnitten keilförmig. Ihre Schlagflächen sind glatt oder durch zwei oder mehr Negativflächen gegliedert. Eine Präparation der Schlagfläche liegt dabei nicht vor, da ihre Facetten lediglich Restnegative vorheriger Serienabschläge sind. Oft werden diskoide Kerne - fälschlich- als Levalloiskerne bezeichnet, zumal dann, wenn der letzte der Serienabschläge eine größere Negativfläche auf dem Kern hinterlassen hat. Die entsprechende Technik findet sich vom Protoacheuléen bis zum Ende des Mittelpaläoloithikums (in der Menge stark veringert) , gelegentlich auch bis ins Neolithikum. 

108d: Kleinere Diskoide und polyedrische Kerne.

108e: Diskoid mit deutlich erkennbaren Abschlagflächen bei relativ geringer Kantenverrundung.

108f: Vergleichsweise kleiner Diskoid mit welligem Kantenverlauf durch wechselseitigen Abbau.

108g:    "Minidiskoid"

Diskoide Pic´s

108h-1: Unifacialer Disk = (Collina-Girard: Taf.20), hier jedoch mit Dorn (Quarzit, 7,2 cm) = Diskoider Pic. Im Gegensatz zum Typ mit konkavem Abschlag (Abb.15) zeigt sich an diesem Diskoid ein etwa 2 Zentimeter abgesetzter Dorn. Mittels eines Kerbschlages erscheint der Dorn deutlcih abgesetzt. Die Heckseite zeigt sich in ihrem welligen, diskoidtyypischen  Kantenverlauf unterbrochen. Mit den unter Abbildung 15 vorgestellten Diskoiden (insgesamt 3 Objekte in dieser Form sind vorhanden) mit konkaven Abschlag bildet dieser Diskoid mit Dorn einen Einzelfall. Kleinere Diskoide mit welligem Kantenverlauf stehen generell zur Diskussion, als eigenständige Werkzeuge (Münzenberg / Oberhessen) mit Kratz- oder Schabefunktion gedient zu haben (wie etwa Abb. 108f).

108h-2: Oben rechts zeigt sich die gekappte zur Handhalte optimierte Heckseite. Unten links der Dorn mit Kerbschlag (wie auch an den Picspitzen Abb. 97b/98a zu sehen).

108h-3: Aufsicht auf den Diskoid mit Spitze (links) und gekapptem Heck (rechts) gegenüberliegend. Leicht nach oben links versetzt zeigt sich neben dem pyramidalen Mittelpunkt ein kleiner angedeuteter Kerbschlag welcher den Dorsalgrat unterbricht. Vielleicht der Versuch die Mittelspitze abzusetzten.

108i-1: Diskoider "Pic" mit fossilem Einschluss und überlagernder Krustination. Mittels konkavem Abschlag abgesetzte Spitze, Heckseite gekappt (Quarzit, 7,6 cm). Die gebogene Muschelkante könnte eine regelrechte Vorlage bis zum Mittelpunkt geboten haben, zeigt dieses Fossil doch grundsätzlich die Grundstruktur in natürlicher Formvorgabe (!?).

1081-2: Der steil gesetzte, gekappte Heckbereich zeigt sich rechts. Unten links die Spitze am konkaven Kerbschlag.

108i-3: Der diskoide "Pic" in Handhalte.

108i-4: Der diskoide "Pic" in Seitenansicht mit Spitze links und gekappter Heckseite rechts. Das Objekt gleicht sich ein wenig an den ab Abbildung 15 vorgestellten diskoiden Chopper an, zeigt aber im Gegensatz einen erhaltenen pyramidalen Mittelpunkt (Abb.15 zeigt eine kleine plateauartige Fläche im Zentrum).

Aus "Die altpaläolithische Geröllgeräte-Industrie der Münzenberger Gruppe in Oberhessen":Von der Form des Ausgangsgerölls her hat es einen eher viereckigen Umriß aufzuweisen. Die tiefe zentrale Muschelung berechtigt uns, es den Abschlag-Artefakten zuzuzählen. Das besondere ist in diesem Fall jedoch- es kommt in der von uns gebrachten Seitenansicht gar nicht recht zum Ausdruck - daß die eine Schneidenpartie zu einer Nase erkennbar ausgearbeitet worden ist; einer Nase, wie sie Rust für seine "Heidelberger" Industrie als kennzeichnend herausgestellt hat. Derartige Typen haben wir im übrigen in unserem Fundgut in beachtlicher Zahl  nachweisen können. Auch bei diesem Artefakt ist es wieder für die Typenbestimmung nicht unwesentlich, in welcher axialen Stellung ein Artefakt betrachtet bzw. zur Darstellung gebracht wird.

108j-1: "Pic" an Geröllkappe (Münzenberger Tabelle: 1,7 Unifazialer Geröllabschlag, Abschlagkappe): Vergleichbar in seiner Ausführung mit der diskoiden Version wird dieser Pic, hier an einer Geröllkappe (Quarzit, 6,3 cm). Abgesetzte Spitze und gegenüberliegende gekappte Heckseite.

108j-2: Der Geröllkappen-"Pic" in Handhalte.

108j-3: Detail des Abschlages an der dornartigen Spitze welche sich nach vorne (oben) absetzt.

108j-4: Im Querschnitt (plan / konvex) zeigt die Geröllkappe einen mit Diskoiden vergleichbaren Aufbau.

108j-5: Diskoider "Pic "(rechts) und Geröllkappen-"Pic" (links). Es zeigt sich hier wie auch an zahlreichen anderen Beispielen, wie schnell die Artefaktzuordnung verlassen werden kann. Diskoide Werkzeuge zeigen sich mittels abgesetztem Dorn und finden Weiterführungen im Geröllkappenbereich. Ordnet man jetzt nach Grundformen oder Benutzungsansprache?

108k-1: Neufund Jan.2011 rechts neben dem bereits vorgestellten Geröllkappenpic. Er scheint nun die exakte Verwendung erklären zu können.

108k-2: Möglicherweise handel es sich hier noch um einen flachen Diskoid als Ausgangsmaterial. Er zeigt deutlich die mittels einer konkaven Bucht abgesetzte kleine Spitze oben.  Gegenüber der Spitze befindet sich eine weitere Bucht (rot) oder konkave Kerbe. Es könnte sich also bei der geraden Kante (rote Linie) um eine Arbeitskante handeln. Mit den beiden Kerben erinnert es an die Seitenkappungen an bereits vorgestellten Geräten wie Spitzgriff-Geradkantenschabern oder auch Chopping-tool´s. Mann könnte aber auch an eine Art von Rillenzieher (Furchenzieher) denken, hierdurch könnte sich die unterschiedliche Dicke (auch des Dorns) erklären.

108k-3: Detail der Buchtung zur Spitze hin mit welligem, zickzackförmigem Kantenverlauf.

108k-4: Die gerade Kante und die kleinere Bucht links.

108k-5: Die richtige Handhalte zeigt die unter 108 u angesprochene Arbeitskante leicht schräg unten liegend. Facettiert geht die Kanten um die Spitze in den dort in der Kehle befindlichen welligen Retuscheverlauf. Die Arbeitskante zeigt Abnutzungserscheinungen (Überkantung, facettiert). Es ergib sich ein "finnen-" oder "flossenartiges" Werkzeug zum einstechen und durchziehen. Der Zeigefinger liegt auf der gekappten Bucht (Abb. 108w links). Die Bezeichnung als Pic erweist sich also als falsch. Die Arbeitsbewegung erfolgt nach rechts, was die Abnutzungserscheinungen erklärt.  Vielleicht sind die beiden anderen Beispiele da dicker in ihrer Ausführung, als tatsächliche Pic´s anzusehen.

108k-6: Abschlag mit retuschiertem Schneidenverlauf und leicht abgesetzt wirkender Spitze oberhalb der Arbeitskante, Quarzit (6,6 cm).

108k-7: Detail der welligen Arbeitskante (Dorn links).

108k-9: Verschiedene Handhaltemöglichkeiten unter Berücksichtigung von Arbeitskante und Dorn. Links zeigt sich ein Angleich zum "Rillenzieher" (108k-1). Der große Bogen setzt die Spitze ab und dient ebenso einer recht guten Handballenauflage (rechts). In der Mitte zeigt sich eine reine messerartige Benutzungsweise (mit Dorn nach hinten was nur eine Führung nach rechts zuließe).


108k-6: Diskoider Protobiface (Hornstein, 7,2 cm). Neufund Januar 2011. Der Biface mit einer etwas ausgezogene, flächenüberarbeitete Spitze. Der pyramidale Mittelpunkt zeigt sich mit einer kleinen, plateauartigen Fläche (wie Abb.15).

108k-7: Plateauartige Fläche im diskoiden Mittelpunkt des Bifaces

108k-8: Detail der Schneidenseite (Abb. oben rechts).

108l-1: Diskoider kleiner Biface mit picartig abgesetzter Spitze, Quarzit (6,4 cm). Beidseitig abgeflachtes Heck entsprechend dem diskoiden Ausgangskern.

108l-2: Der diskoide Querschnitt zeigt sich stark verrundet und überarbeitet.

108l-3: Die picartige Spitze mit beidseitigem Kerbschlag.

108l-4: Die eigentliche Spitze zeigt sich rechts abgenutzt und facettiert.

108l-5: Faustkeilartiges Chopping-tool (Typ III,2) von Münzenberg.

Klingenkern / Abbaukern

109a:   "Klingenkern" mit allseitigem Abbau. Erhaltene Schlagfläche (oben rechts) und Standfuß (unten links). Die Bildmitte zeigt einen kristallinen Einschluss welcher zur Unterbrechung der Abschlagsbahn führte. Quarzit mit Krustinationsauflage (12,3 cm). Die Abschläge zeigen sich eher breit (3,5 bis 4,3 cm) und sind trotz der möglichen Länge (bis 10 cm) in ihrer Bahn unterbrochen. 

109b: Ein weiterer Abbaukern (Restkern) mit wechselseitigen Abschlägen.


1.Fazit: Mir scheint die standartisierten Grundformen in Variation mit speziellen Elementen wie Dorne, Spitzen, Winkel usw. sprechen für einen ganz speziellen Umstand:-- Benutzer und Hersteller der Werkzeuge waren scheinbar nicht selten die gleichen Individuen--.  Der Hersteller passte seine Vorlieben in der Benutzung der Werkzeuge seinen individuellen Eigenheiten an (in teilweisem Gegensatz zum Neolithikum / Sesshaftigkeit mit hoher Standartisierung bis zum heutigen Tag). Grundsätzlich standartisierte Grobformen erfahren also eine spezifische Anpassung an den Verwender. Die Darstellung einzelner wohl überwiegend mittel- und jungacheuléenzeitlicher Einzelfunde in Form von Faustkeilen (Verlierfunde) fehlt das zum Überleben in der Natur entsprechende Klein- und Spontangerät sowohl in Form als auch in der Materialbeschaffenheit. Paradebeispiele erzeugen nur allzu schnell das Bild eines Menschen mit ästethisch perfekt wirkenden Gerätschafften. Bei der Vielzahl an Faustkeilformen bleiben jene rein unscheinbarer wirkende Formen im Hintertreffen, fehlt ihnen doch der Aha-Effekt in den Medien verschiedenster Art. Ästhetik in Form und Ausführung entspricht eher unserer modernen Wahrnehmung und mag durchaus mit Empfindungen des Vormenschen Deckungsgleich sein, zum Überleben in einer gnadenlosen Natur mag dies alleine nicht ausreichen. Überleben verlangt schnelles Handeln, Ausprobieren, Zweckmäßigkeit, Weiterentwicklung grob standartisierter Grundformen an Umfeld und sich wechselnden Gegebenheiten. 


Stadtmuseum Ingolstadt und mögliche Angleichungen:

110a: Originaltext Vitrinenauslage: Vier altpaläolithische Geräte (Faustkeile und Abschläge) des Acheuléen aus Irgertsheim. Es handelt sich um die ältesten Funde aus dem Stadtgebiet von Ingolstadt und das bedeutendste Werkzeugensemble des Steinheimer Menschen in Bayern. Zwei mittelpaläolithische Fäustel vom Fuß des Steinbergs bei Gaimersheim (1 x rechts unten) und vom Speckberg bei Nassenfels (1 x rechts oben). Rechts: Es zeigen sich an beiden altpaläolithischen Artefakten vergleichbare Spitzenzuschläge zu den hier vorgstellten Objekten.

110b: Originaltext Vitrinenauslage: Altsteinzeitliche Halbkeile oder Spitzschaber nebst Rohstück aus braunem Kreidehornstein. Ziegelei Ernst bei Gaimersheim.

110c: Detailansicht der relativ gering verrundeten Artefakte. Im Vergleich mit der von mir vorgestellten Freilandfundstelle würde ich entsprechende Beispiele in ein jüngeres, event. mittleres Acheuléen stellen. Grob rückengestumpfte Keilformen erscheinen auch dort relativ kantenscharf.




Was gibt es noch zu tun?  Aufgaben für die Zukunft:

Plattenkalkbruch ist an den Schlagplätzen allgegenwärtig. Ich erinnere mich immer an die Möglichkeit: Es gibt Geräte aus Kalkstein! Ein paar mal schon fügte ich mehrere Kalkplatten - Objekte in Reihe... um diese wieder zu verwerfen!

es kann nicht sein!

oder doch?

111a: Neufund Jan. 2011 Kalksteinplatte mit Bucht (14,5cm)

111b: Gegenüberstellung mit einem Objekt aus Hornstein (Beide Jan.2011, etwa    20 m Radius). Die beschlagenen Seiten der Kalkplatte wirken stark verschliffen und verwaschen. Welche Thematik vermischt sich hier? Bill-hook, Nasenschaber, Buchtschaber, Zufall, Natur?

Steinheim, Fauskeil aus Kalkstein (nach Schwabedissen 1970).

Link: Ein frühpleistozänes Kalkartefakt von Würzburg-Schalksberg (A.Rust)

http://www.quaternary-science.publiss.net/system/articles/pdfas/442/original_vol28_no1_a18.pdf?1284107798

111c

112a: Verwiesen sei hier noch einmal an ein Artefaktstück (Abb.81) an einem Abschlag aus Kalkfelsgestein (9 cm) in Ausführung bereits vorgestellter Spitzgriffschaber vom vorgestellten Fundplatz. Der Spitzenbereich zeigt den einseitig konkaven Verlauf. Am unteren Ende der Ventralseite zeigt sich deutlich der Schlagflächenrest.

112b: In der Handhabe als Spitzgriffschaber zeigt sich eine wellige, überarbeitete Arbeitskante. Ob dieser Ansatz in der Handhaltung zutreffend ist kann als nicht ganz zweifelsfrei gelten, zumal auch der Spitzenbereich in manier der Hohlschaber Verwendung erfahren haben könnte.

112c

112d: In der Handhaltung als Handspitze oder Hohlschaber (konkave Seite zur Spitze bildet die Arbeitskante) befindet sich die wellige, eher schärfere Kante ungünstigerweise im Handballen.

112e: Ein Parallelstück zum Kalkfelsgesteinartefakt (rechts) zeigt sich an einem Quarzitabschlag (links). Vergleichstück auch Abb. 86 u. 87.

Ein Angleich ergibt sich mit Artefakten aus Hummendorf / Kronach (oben). Die beiden Schaber mit winkeligem,  leicht gebogenem Handhaltebereich entsprechen weitestgehend  jenen der Abbildung 80.


Einen beachtenswerten Eindruck vermittelt auch das Plattenkalkobjekt mit möglicher sichelförmiger Schneide und spitzwinkeliger Handhalte (12,6 cm).

Am Spitzwinkel zeigt sich eine stumpfende, feinere Überarbeitung der Trennkante.

Sichelförmige Schneide mit wechselseitiger Retusche die sich zur Schneidenspitze zunehmend feiner gestaltet.

Die optimale Handhabe stelt die Griffspitze zwischen die beiden Finger (eine bekannte Version wie auch bei Chopper mit Dorn Abb. 19d/e).

Der verdickte Bereich liegt im Handballen.

Die Präzedens-Seite für Archäologie in Bayern / Ingolstädter Raum / K. Scheuerer

Museumslink zum Stadtmuseum Ingolstadt mit weiterführenden Links: Paläolithikum / Donaugeschichte usw...

http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer/museum/r-02-018.htm


Sehr gute Seite zum Thema Paläolithikum im Nördlinger Ries, Ries-Impact usw. mit wertvollen und lehrreichen Analysen.

http://www.gelvers.de/


Karel Valoch, pdf-Datei: Geröllgeräte aus Niederösterreich

http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/Material/Geroellg_Niederoesterreich.pdf


Über neue Artefaktfunde aus der Heidelberger Stufe (A.Rust)   Thema: Nasenschaber (pdf-Datei).

http://www.quaternary-science.publiss.net/system/articles/pdfas/100/original_vol07_no1_a15.pdf?1284107345


Altpaläolithische Fundplätze im Bliesgau (Saarpfalz-Kreis) / Die Funde von Battenberg

http://www.hobatt.de